Ärzte Zeitung, 28.05.2004

Pramipexol reduziert Tremor und auch Depressionen bei M. Parkinson

Antidepressive Wirkung des Dopamin-Agonisten ist vermutlich substanzspezifisch

HAMBURG (grue). Der Dopamin-Agonist Pramipexol bessert nicht nur gut die Parkinson-Symptome in allen Krankheitsstadien. Auch schwer kontrollierbarer Tremor und Depressionen gehen unter der Therapie zurück.

Eine Therapie mit dem Dopamin-Agonisten Pramipexol (Sifrol®) bessert die Parkinson-Symptomatik, mildert motorische Fluktuationen und verzögert Dyskinesien. Der Agonist eignet sich sowohl zur Monotherapie in der Frühphase als auch in Kombination mit L-Dopa in der Spätphase der Erkrankung. Darauf wies Privatdozent Georg Ebersbach vom Neurologischen Fachkrankenhaus Beelitz in Hamburg hin.

"Außerdem läßt der Parkinson-Tremor nach, und zwar auch bei Patienten, deren Tremor auf relativ hochdosiertes L-Dopa nicht angesprochen hat", so Ebersbach bei einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim in Hamburg. In der CALM-PD-Studie mit vier Jahren Therapiedauer konnte belegt werden, daß Langzeit-Komplikationen unter initialer Pramipexol-Therapie im Vergleich zu L-Dopa seltener sind. Es gebe auch erste Hinweise auf eine neuroprotektive Wirkung des Agonisten, so Ebersbach.

Abgesehen von den motorischen Wirkungen scheint Pramipexol auch antidepressive Effekte zu besitzen, weil die Substanz zusätzlich die Dopamin-D3-Rezeptoren im limbischen System stimuliert. In Studien mit depressiven Patienten sei der Dopamin-Agonist ähnlich wirksam wie moderne Antidepressiva gewesen, so Ebersbach. Der Effekt ist wohl substanzspezifisch, wie eine achtmonatige Vergleichstudie belegt. Darin wurden depressive, auf L-Dopa eingestellte Parkinson-Patienten zusätzlich mit den Agonisten Pramipexol oder Pergolid behandelt. Bei ähnlicher Wirksamkeit auf die Parkinson-Symptome besserte sich mit Pramipexol auch die Stimmung; der Unterschied zu dem anderen Agonisten war signifikant.

STICHWORT

Therapie-Initiative Parkinson

Bei 15000 Patienten pro Jahr wird die Diagnose Parkinson gestellt, und doch wird bei unspezifischen Erstsymptomen wie Rückenschmerzen und Depression noch zu selten an die Krankheit gedacht. Dem will die Therapie-Initiative Parkinson (TIP) entgegenwirken. Bei dem von Boehringer Ingelheim initiierten Projekt wurden bisher bei Workshops 80 Neurologen als Referenten geschult, die ihr Wissen an Hausärzte weitergeben. Für Patienten bietet TIP Broschüren und einen Paß mit Angaben zu Krankheit und Therapie.

Weitere Infos zu TIP gibt es bei Dr. Arne Botta, Boehringer Ingelheim, Tel: 06132 / 7 79 72 88, Fax: 06132 / 7 29 72 88

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