Ärzte Zeitung, 25.08.2004

Mit Pramipexol seltener Dyskinesien

Bei Parkinson wird Risiko für motorische Komplikationen im Vergleich zu L-Dopa gesenkt

HAMBURG (grue). Für Parkinson-Patienten unter 70 Jahren wird nach den Leitlinien zur Parkinsontherapie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie eine Monotherapie mit Dopamin-Agonisten empfohlen. Eine Option ist dabei Pramipexol. Damit kommt es auch nach vier Jahren Therapie seltener zu Dyskinesien als mit L-Dopa.

Darauf hat Professor Günther Deuschl von der Universitätsklinik Kiel hingewiesen. Die im vorigen Jahr publizierten Leitlinien geben getrennte Empfehlungen für Patienten unter 70 Jahren und solche, die über 70 Jahre alt oder mehrfach krank sind.

Für die Jüngeren beginne die Parkinson-Behandlung mit Dopamin-Agonisten und werde möglichst lange als Monotherapie fortgesetzt, sagte Deuschl. Bei älteren Patienten - oder wenn Begleiterkrankungen vorliegen -, wird von Anfang an L-Dopa in Tagesdosen von bis zu 600 mg gegeben. Bei leichter Symptomatik wird altersunabhängig zunächst mit Amantadin oder Selegilin behandelt.

Der Nutzen von Dopamin-Agonisten bei Parkinson-Patienten sei durch viele Studien gut belegt, sagte Deuschl auf einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim in Hamburg. Agonisten haben eine längere Wirkungsdauer als L-Dopa und zögern das Auftreten von Fluktuationen und Dyskinesien hinaus.

So konnte in einer Studie mit Pramipexol (Sifrol®) das Risiko für motorische Komplikationen um mehr als die Hälfte im Vergleich zu L-Dopa gesenkt werden: Nach vier Jahren hatten 54 Prozent der Patienten aus der L-Dopa-Gruppe Dyskinesien, aber nur 25 Prozent derer mit Pramipexol-Therapie. "Dieser Agonist eignet sich auch besonders gut für die Therapie von Parkinson-Kranken mit deutlichem Tremor", so Deuschl, zumal andere wirksame Medikamente wie Anticholinergika, Budipin und Clozapin gravierende unerwünschte Wirkungen haben könnten. Mit Pramipexol wurde in einer kontrollierten Studie bei Patienten mit therapierefraktärem Tremor eine signifikante Besserung nach elf Wochen erzielt, sagte Deuschl.

Weitere Infos gibt es in den Parkinson-Leitlinien unter www.dgn.org

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »