Ärzte Zeitung, 28.02.2005

Rivastigmin wirkt gegen Demenz bei Parkinson

Bei Parkinson-Kranken ist die Demenz auf ein cholinerges Defizit zurückzuführen / Motorik verschlechtert sich nicht

FRANKFURT AM MAIN (SAW). Bis zu 40 Prozent aller Parkinson-Kranken entwickeln eine Demenz, die durch eine Therapie mit Cholinesterase-Hemmern günstig beeinflußt werden kann. Für den Cholinesterase-Hemmer Rivastigmin (Exelon®) ist das kürzlich in einer Placebo-kontrollierten Studie mit 541 Patienten mit Parkinson-assoziierter Demenz belegt worden.

Wie die Studie namens EXPRESS ergeben hat, das Kürzel steht für Exelon in Parkinson’s disease dementia Study, besserten sich die kognitiven Fähigkeiten der Parkinson-Kranken unter einer sechsmonatigen Therapie mit Rivastigmin. Erfaßt wurde das durch eine Änderung der im ADAS-cog erzielten Punktezahl um zwei Punkte.

Mit Placebo dagegen hatten die kognitiven Fähigkeiten der Patienten weiter abgenommen, wie Dr. Georg Ebersbach von der Klinik für Bewegungsstörungen in Beelitz bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie in Frankfurt am Main berichtet hat.

Auch der klinische Gesamteindruck, für den unter anderem die Fähigkeit, im Alltag zurecht zu kommen, die Aufmerksamkeit und die Wortflüssigkeit berücksichtigt werden, habe sich während der Therapie mit Rivastigmin gebessert.

Der günstige Effekt des Cholinesterase-Hemmers sei auch nach einem Jahr noch nachweisbar gewesen, berichtete Ebersbach bei einem vom Unternehmen Novartis unterstützten Satelliten-Symposium. Das sei durch die Auswertung von Daten der offen weitergeführten Studie deutlich geworden.

Im offenen Teil der Studie wurden alle Patienten mit Rivastigmin behandelt. Die Patienten, die von Anfang an Rivastigmin bekommen hatten, schnitten beim klinischen Gesamteindruck zwölf Monate nach Studienbeginn immer noch besser ab als zu Beginn der Studie. Bei Patienten, die zunächst der Placebo-Gruppe zugeordnet waren, besserte sich der klinische Gesamteindruck nach Umsetzen auf Rivastigmin wieder. Das Ausgangsniveau wurde aber nicht erreicht.

Obwohl in der klassischen Parkinson-Therapie ein anticholinerger Ansatz verfolgt werde, sei unter einer Cholinesterase-Hemmer-Therapie keine dramatische Verschlechterung der Motorik zu erwarten, so Ebersbach. Zwar wurden in der Verum-Gruppe vermehrt Übelkeit, Erbrechen und Tremor beobachtet. Die Motorik der Patienten wurde jedoch nicht negativ beeinflußt.

Bei Parkinson-Kranken sei die Demenz wie bei der Alzheimer-Krankheit auf ein cholinerges Defizit zurückzuführen. Damit sei, so Ebersbach, die biologische Rationale für die Verwendung cholinerger Substanzen in der Therapie bei Parkinson-assoziierter Demenz gegeben.

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