Ärzte Zeitung, 08.03.2005

Pflaster mit Dopaminagonist erleichtert Parkinson-Therapie

Einmal täglicher Wechsel / Therapieoption bei Patienten mit Schluckstörungen

FRANKFURT AM MAIN (mar). Für die Therapie von Parkinson-Patienten ist mit Rotigotin erstmals ein transdermal applizierbarer Dopaminagonist entwickelt worden. Durch die kontinuierliche Wirkstoffreisetzung über 24 Stunden aus dem Pflastersystem werden stabile Plasmaspiegel und somit eine dauerhafte Stimulation der Dopaminrezeptoren erreicht. Dadurch wird die Beweglichkeit der Patienten verbessert.

Solche Störungen der motorischen Fähigkeiten von Parkinson-Kranken sind typisch. Foto: Dt. Parkinson Vereinigung

Ein Problem in der Langzeittherapie von Parkinson-Patienten ist bekanntlich das Auftreten von motorischen Fluktuationen und Dyskinesien. Mit oralen Dopaminagonisten kann die Häufigkeit dieser Symptome vermindert werden.

Doch lassen sich mit oralen Präparaten aufgrund der mehrmals täglichen Einnahme Plasmaspiegelschwankungen und somit eine pulsatile Stimulation der Dopaminrezeptoren nicht vermeiden. So kann es bei abklingenden Plasmaspiegeln vor der nächsten Dosis zu (end of dose) Akinesien kommen oder bei Plasmaspitzen nach erneuter Dosiseinnahme zu (peak dose) Dyskinesien.

Um diese Symptome möglichst zu vermeiden, scheint eine kontinuierliche Rezeptorstimulation wichtig zu sein, wie Professor Ullrich Wüllner von der Neurologischen Universitätsklinik Bonn beim 4. Deutschen Parkinson-Kongreß in Frankfurt am Main erläutert hat.

Ein Weg, eine solch anhaltende Stimulation der Dopaminrezeptoren zu erreichen, ist die kontinuierliche transdermale Applikation des neuen, non-ergolinen Dopaminagonisten Rotigotin als Pflaster. Die Zulassung des Präparates ist bereits bei den europäischen und US-amerikanischen Zulassungsbehörden beantragt, wie der Neurologe bei einem Symposium von Schwarz Pharma sagte. Mit der Zulassung werde 2006 gerechnet.

Rotigotin, das selektiv die D1-, D2- und D3-Rezeptoren stimuliert, wird kontinuierlich über 24 Stunden freigesetzt. Stabile Plasmaspiegel werden 24 Stunden nach der Erstapplikation erreicht. Die Plasmahalbwertszeit beträgt sechs Stunden. Die Substanz wird renal ausgeschieden.

Von Vorteil ist, so Wüllner, daß das Pflaster nur einmal täglich gewechselt werden muß. Durch die transdermale Applikation wird der First-Pass-Effekt in der Leber umgangen, und die Zufuhr erfolgt unabhängig vom Essen. Zudem kann es bei Patienten mit Gastroparese oder Resorptionsstörungen zu keinen Interaktionen mit oralen Medikamenten kommen.

Das Pflaster wurde in vier Wirkstärken - 4,5 / 9,0 / 13,5 und 18 mg - entwickelt. In Studien wurde eine dosisabhängige Steigerung der Wirkung beobachtet, wobei sich die beiden höheren Dosierungen als signifikant besser wirksam erwiesen haben als Placebo.

So wurde in einer fünfarmigen randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie bei 242 Patienten mit idiopathischem Morbus Parkinson im Frühstadium nach elf Wochen Therapie mit dem Rotigotin-Pflaster in den vier verschiedenen Dosierungen eine statistisch signifikante Verbesserung der motorischen Fähigkeiten mit den beiden höher dosierten Pflastern im Vergleich zu Placebo erreicht.

Die Wirksamkeit der Therapie wurde anhand der Unified Parkinson's Disease Rating Scale (UPDRS) bestimmt, die die motorischen Komponenten und die Aktivitäten des täglichen Lebens berücksichtigt. In der Studie hatten die Patienten der vier Verumgruppen mit jeweils unterschiedlichen Rotigotin-Pflasterstärken nach einer vierwöchigen Titrationsphase eine siebenwöchige Erhaltungstherapie erhalten, die Kontrollgruppe bekam Placebo-Pflaster.

Unerwünschte Begleitwirkungen der Therapie waren, wie bei anderen Dopaminagonisten auch, Übelkeit, Benommenheit und Müdigkeit.

Indikationen für das Rotigotin-Pflaster sieht Wüllner in der Initial- und der Kombinationstherapie. Zudem sei es eine Option bei Patienten mit Schluckstörungen, kognitiven Defiziten und schlechter Compliance sowie für Patienten in perioperativen Situationen. Möglicherweise könnten auch Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung profitieren, um motorische Fluktuationen und Dyskinesien abzuschwächen.

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