Ärzte Zeitung, 09.03.2005

Antidepressive Wirkung von Pramipexol bestätigt

Erfahrungen mit dem Parkinson-Medikament in einer neuen Anwendungsbeobachtung mit fast 600 Patienten

FRANKFURT/MAIN (grue). Der Dopaminagonist Pramipexol lindert motorische Symptome bei Morbus Parkinson und wirkt einer Depression entgegen. Dies hat jetzt eine Anwendungsbeobachtung erneut bestätigt.

Schon mehrfach konnte belegt werden, daß Pramipexol (Sifrol®) bei depressiven Parkinson-Kranken die Stimmung bessert. Dies sei mehr als ein therapiebegleitender Effekt, sagte Professor Heinz Reichmann aus Dresden bei einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim in Frankfurt am Main.

"Bei Parkinson-Patienten mit Depression lohnt ein Behandlungsversuch mit Pramipexol, noch bevor Antidepressiva eingesetzt werden". Natürlich wirke sich das auch günstig auf die motorischen Komplikationen aus, so Reichmann. Die antidepressive Wirkung des nicht-ergolinen Dopaminagonisten hänge offenbar mit dessen starker Affinität zu D3-Dopaminrezeptoren zusammen, die im limbischen System sitzen und das Gefühlsleben beeinflussen.

Wie Reichmann berichtete, wirkte Pramipexol in einer Studie mit depressiven Patienten ähnlich gut wie das Antidepressivum Fluoxetin. Speziell bei depressiven Parkinson-Patienten wurde die Substanz gegen Sertralin geprüft und war auch hier gut wirksam, sagt Reichmann.

Eine Anwendungsbeobachtung unter Beteiligung der Dresdener Klinik hat nun weitere Daten geliefert. An der Studie nahmen 567 Parkinson-Patienten ein, die für neun Wochen mit Pramipexol in Tagesdosen von durchschnittlich ein Milligramm behandelt wurden. Über zwei Drittel der Patienten hatten zumeist leichte Depressionen, die sich während der Therapie deutlich besserten. Die Zahl der Kranken ohne Depression verdoppelte sich fast.

"Aus meiner Sicht ist Pramipexol für Parkinson-Patienten mit Depressionen besonders geeignet", urteilte Reichmann. Der Neurologe erinnerte daran, daß bis zu 50 Prozent der Parkinson-Patienten im Krankheitsverlauf depressiv werden und bei etwa 30 Prozent der Betroffenen die Depression schon vor der motorischen Störung auftritt.

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