Ärzte Zeitung, 07.06.2005

Tiefe Hirnstimulation dreht Symptomatik um Jahre zurück

Kontrollierte Studie mit Parkinson-Patienten vorgestellt

BERLIN (gvg). Die Behandlung mit einem "Hirnschrittmacher" bessert die Beweglichkeit und erhöht die Lebensqualität und das emotionale Wohlbefinden von Parkinson-Patienten erheblich. Das belegt eine randomisierte, kontrollierte Studie zu dieser Therapieform.

Elektroden aus dem Schrittmacher unter der Clavicula stimulieren den subthalamischen Kern. Foto: Medtronic

Die Sechs-Monats-Ergebnisse der Multicenter-Studie, die unter Federführung des Neurozentrums der Universität Kiel stattfand, wurden auf dem Welt-Parkinson-Kongreß in Berlin präsentiert.

Insgesamt 156 Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson erhielten entweder eine tiefe Hirnstimulation (THS) oder die bestmögliche medikamentöse Therapie mit L-Dopa-Präparaten und Dopaminagonisten. Nach sechs Monaten wurden die Lebensqualität und der Tagesablauf abgefragt.

Die Unterschiede waren erheblich: Die Dauer der täglichen Bewegungslosigkeit (Off-Perioden) sank in der THS-Gruppe von sechs auf 1,3 Stunden, die Dauer problemloser Aktivität (On-Perioden) erhöhte sich von 3,5 auf 8,4 Stunden. In der Kontrollgruppe, bei der die medikamentösen Therapie-Optionen ausgereizt waren, änderte sich dagegen bei ähnlichen Ausgangswerten erwartungsgemäß fast nichts.

Ähnlich klare Unterschiede gab es bei der Lebensqualität, die mit dem auf Parkinson-Patienten abgestimmten Fragebogen PDQ-39 erhoben wurde. Bei den Parametern "Mobilität", "Aktivitäten des täglichen Lebens", "emotionales Wohlbefinden" und "körperliches Unwohlsein" schnitten die operierten Patienten jeweils hochsignifikant besser ab.

"Die THS kann den Verlauf der Parkinson-Erkrankung nicht aufhalten, aber sie dreht die Symptomatik um etwa 15 Jahre zurück", so Studienleiter Professor Günther Deuschl aus Kiel. Bei dem Verfahren werden hauchdünne Elektroden in den Nukleus subthalamicus des Zwischenhirns vorgeschoben. Sie sind über subkutane Kabel mit einem elektrischen Stimulator verbunden, der unter dem Schlüsselbein liegt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »