Ärzte Zeitung, 04.04.2006

Pflaster macht Parkinson-Patienten beweglich

Transdermale Monotherapie mit Dopamin-Agonisten bei frühem M. Parkinson erzielt gleichmäßige Plasmaspiegel

DÜSSELDORF (grue). Seit kurzem ist eine Parkinson-Therapie mit einem Pflaster möglich. Es setzt den Dopamin-Agonisten Rotigotin kontinuierlich frei, so daß gleichmäßige Plasmaspiegel erreicht werden. Das kommt der Beweglichkeit der Patienten zugute.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt in ihren Leitlinien für Patienten unter 70 Jahren mit Morbus Parkinson die Monotherapie mit einem Dopamin-Agonisten. "Damit lassen sich die Parkinson-Beschwerden gut lindern, und die Therapie mit Levodopa wird hinausgezögert", sagte Professor Heinz Reichmann aus Dresden bei einer Veranstaltung des Unternehmens Schwarz Pharma in Düsseldorf.

Denn nach fünf Jahren L-Dopa-Therapie hat jeder zweite Patient motorische Komplikationen. "Die goldene Levodopa-Regel heißt deshalb: So spät wie möglich, so niedrig wie möglich und nur so hoch, wie eben nötig".

Mit dem ersten Pflaster für die Monotherapie bei frühem Morbus Parkinson (Neupro®) werde die Agonisten-Therapie vereinfacht: Es wird einmal täglich gewechselt, setzt den Wirkstoff Rotigotin gleichmäßig frei und ist wegen der langsamen Anflutung des Agonisten gut verträglich. "Die konstante Wirkstoffzufuhr mit gleichmäßigen Plasmaspiegeln sind gute Gründe für das Pflaster", sagte Reichmann.

Das nicht-ergoline Rotigotin wurde extra für die transdermale Applikation entwickelt. In Studien war damit die symptomarme On-Zeit länger, die Off-Phase der Bewegungssteifheit kürzer als bei Patienten, die Placebo erhielten. Außerdem gab es weniger Wirkungsschwankungen.

Für Reichmann hat die frühzeitige Therapie mit Dopamin-Agonisten einen weiteren Vorteil: "Vielleicht sind diese Substanzen neuroprotektiv und können damit den Krankheitsverlauf bremsen." Es gebe Hinweise, daß sich durch einen Agonisten die neuronalen Stammzellen vermehren. "Wenn wir erst behandeln, wenn deutliche Symptome vorhanden sind, ist es vielleicht zu spät", sagte Reichmann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »