Ärzte Zeitung, 28.06.2006

Depressionen setzen den meisten Parkinson-Kranken zu

Stimmungstiefs beeinträchtigen die Lebensqualität fast so stark wie motorische Störungen / Umfrage bei 500 Parkinson-Patienten

AMSTERDAM (djb). Schätzungsweise 80 Prozent der Parkinson-Patienten haben häufig oder gelegentlich depressive Symptome. Nach Daten einer Umfrage wird die Lebensqualität der Betroffenen dabei zum Teil fast so stark beeinträchtigt wie durch die motorischen Parkinson-Symptome.

In der Untersuchung der European Parkinson's Disease Association (EPDA) wurden 500 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Parkinson-Krankheit in 15minütigen Telefoninterviews nach ihren Beschwerden befragt.

Ebenso wurden 500 Neurologen aus fünf EU-Ländern gebeten, nicht-motorische Parkinson-Symptome bei ihren Patienten zu beurteilen. Die Ergebnisse hat die EPDA-Präsidentin Mary G. Baker aus Kent in Großbritannien jetzt in Amsterdam in den Niederlanden vorgestellt.

Häufige oder gelegentliche depressive Symptome seien von den Patienten mit 84 Prozent fast so häufig genannt wie motorische Störungen (94 Prozent) genannt worden, sagte Baker auf einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim.

Kognitive Störungen gaben 65 Prozent der Befragten an, Schlafstörungen 40 Prozent.

    40 Prozent der befragten Patienten litten zudem an Schlafstörungen.
   

Aufgrund der Antworten auf Fragen zur Lebensqualität sei deutlich geworden, daß Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Uninteressiertheit ebenso stark wie die motorischen Symptome die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen, so Baker.

Auf einer zehnteiligen Skala beurteilten die Befragten den Einfluß der depressiven Symptome auf ihre Lebensqualität mit 5,6 Punkten, den der motorischen Symptome mit 6,2 Punkten.

Fast die Hälfte der Ärzte gab an, Depressionen bei Parkinson-Patienten nur schwer erkennen zu können. Zudem unterschätzten sie den Einfluß depressiver Symptome auf die Lebensqualität der Patienten. Die Patienten ihrerseits sprachen zu selten über seelische Verstimmungen. Von den 100 deutschen Teilnehmern gaben 13 Prozent an, ihrem Arzt nur gelegentlich oder gar nicht von ihrer negativen Stimmungslage berichtet zu haben. Im EU-Durchschnitt machten 40 Prozent diese Angabe.

Depressionen sollten bei der Parkinson-Therapie stärker beachtet werden, sagte Baker. Nach neueren Untersuchungen könne etwa der non-ergoline Dopamin-Agonist Pramipexol (Sifrol®) nicht nur die Bewegungsstörungen verbessern, sondern auch Depressionen lindern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »