Ärzte Zeitung, 18.09.2006

Hirnschrittmacher erhöht Lebensqualität bei Parkinson

Stimulation bessert Motorik und Alltagskompetenz

KIEL (mut). Durch die Tiefenhirnstimulation (THS) lassen sich bei Parkinson-Patienten nicht nur die motorischen Fähigkeiten deutlich verbessern. Auch die Lebensqualität nimmt zu: Die Patienten kommen im Alltag besser zurecht, fühlen sich wohler und weniger ausgegrenzt, haben deutsche Forscher herausgefunden.

Die THS kann bei Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson die Beweglichkeit deutlich verbessern, wenn eine Therapie mit Medikamenten nicht mehr ausreicht. Auch belastende Medikamenten-induzierte Dyskinesien lassen sich damit reduzieren oder sie verschwinden ganz, da die Medikamenten-Dosis nach dem Eingriff reduziert werden kann. Das haben inzwischen viele Studien gut belegt. Für die Akzeptanz der Methode sei aber nicht nur eine verbesserte Motorik entscheidend, sondern auch die Fähigkeit, im Alltag wieder besser zurecht kommen oder weniger unter Depressionen zu leiden, berichten Professor Günther Deuschl und Kollegen von der Uni Kiel.

      Die Patienten fühlen sich körperlich und seelisch besser.
   

In einer Studie mit 156 Patienten haben sie jetzt untersucht, wie sich die Lebensqualität bei Patienten mit THS verändert (NEJM 355, 2006, 897). Das Besondere an der Studie: Die Änderung der Lebensqualität war zusammen mit den Änderungen der motorischen Symptome primärer Studien-Endpunkt. Aufgenommen wurden Patienten, die trotz Medikation nicht vollständig mobil waren oder aufgrund ihrer Symptome Hilfe bei Alltagsaktivitäten benötigten.

Die Hälfte der Patienten bekam einen Hirnstimulator implantiert, die andere nicht. Alle Patienten wurden entsprechend der Stärke der Symptome mit dopaminergen Arzneien behandelt. Bewertet wurden die motorischen Symptome mit der Parkinsonskala UPDRS (maximal 108 Punkte bei schwerster Symptomatik), die Lebensqualität mit dem Parkinson-Fragebogen PDQ-39 (maximal 100 Punkte bei geringster Lebensqualität). Mit dem Fragebogen werden Alltagsfähigkeiten, körperliches und seelisches Wohlbefinden oder Hilfsbedürftigkeit beurteilt.

Das Ergebnis: Nach sechs Monaten war der UPDRS-Wert in der THS-Gruppe von 48 auf 28 Punkte gefallen, in der Gruppe ohne THS blieb er praktisch konstant. Der PDQ-Gesamtwert war mit der Hirnstimulation von 42 auf 32 Punkte gesunken, in der Gruppe ohne THS blieb er ebenfalls konstant. Die Auswertung des PDQ ergab, daß sich die Patienten mit THS körperlich und seelisch deutlich besser fühlten als Patienten ohne THS, daß sie im Alltag besser zurecht kamen - etwa weniger Hilfe beim Anziehen oder Toilettengang benötigten, und insgesamt mobiler waren - also selbständiger gehen konnten. Bei den kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten gab es jedoch kaum Unterschiede.

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