Ärzte Zeitung, 19.10.2006

Video mißt zu Hause Beweglichkeit bei Parkinson

Gerät zeichnet Bewegungsmuster auf und sendet sie an behandelnden Arzt / Arzneitherapie läßt sich so verbessern

MANNHEIM (grue). Ob frühmorgendliche Akinesen oder nächtliche Beinkrämpfe - eine Videobeobachtung zu Hause kann den Krankheitsschweregrad bei Parkinson-Patienten deutlich machen und dabei helfen, die medikamentöse Therapie zu optimieren. Außerdem bekommen Kollegen dadurch ein Hilfsmittel, wenn die Indikation zur Tiefenhirnstimulation gestellt werden soll.

Typische Haltung eines Parkinson-Patienten. Durch Videobeobachtung zu Hause lassen sich Bewegungsstörungen genau analysieren. Foto: Deutsche Parkinson Vereinigung

Erfahrung mit der Videodokumentation in der ambulanten Parkinson-Therapie hat Professor Alfons Schnitzler von der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf vorgestellt. Patienten mit Parkinson-Krankheit und Spätkomplikationen des motorischen Systems können für etwa 30 Tage eine Videoeinheit bei sich zu Hause installieren, sagte Schnitzler auf einer Veranstaltung von Pfizer beim Neurologie-Kongreß in Mannheim.

Das Gerät nimmt mehrmals am Tag und bei Bedarf auch nachts jeweils zwei Minuten lang Bewegungsmuster der Patienten auf und leitet diese an den behandelnden Arzt weiter. Um die Auswertung der Sequenzen zu erleichtern, zeigen die Patienten vor der Kamera wiederkehrende Beweglichkeitsübungen nach entsprechender Anleitung. Am Schluß jeder Sequenz geben die Patienten für ihr aktuelles Befinden einen Punktwert zwischen eins und sechs an.

"Die Aufnahmen haben mehr Aussagekraft als Bewegungsanalysen während eines Krankenhausaufenthalts. Denn unter stationären Bedingungen sind die Patienten weitgehend inaktiv", sagte Schnitzler. Die videobasierte Versorgung eigne sich für Parkinson-Patienten, bei denen die Wirkung ihrer bisherigen Medikation Schwankungen unterliegt.

Außerdem nütze sie bei Patienten, die auf ein neues Präparat eingestellt werden sollen oder für die eine Tiefenhirnstimulation zur Diskussion steht. "Patienten mit nächtlichen Beschwerden können wir raten, ihre Probleme direkt vor der Kamera zu schildern", sagte der Neurologe.

Geräte zur Videobeobachtung vertreibt das Koblenzer Unternehmen MVB. Neurologen können sie im Rahmen integrierter Versorgungskonzepte anwenden. Infos gibt es unter Tel.: 02 61 / 5 00 74 50.

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