Ärzte Zeitung, 02.11.2006

Injektionen für mehr Beweglichkeit bei Parkinson

Mit Apomorphin können Patienten die Phasen schlechter Beweglichkeit verkürzen / Effekt innerhalb weniger Minuten

MANNHEIM (djb). Genügt eine orale Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson nicht mehr, sind Apomorphin-Injektionen eine Option. Die Dauer von Off-Phasen, also Phasen schlechter Beweglichkeit, läßt sich damit halbieren.

Typische, nach vorne gebeugte Körperhaltung bei einem Patienten mit Parkinson. Foto: Deutsche Parkinson Vereinigung

Mit Hilfe der Apomorphin-Injektionen wird nicht nur die Dauer der Off-Phasen verkürzt, sondern auch die Beweglichkeit der Parkinson-Patienten innerhalb weniger Minuten wieder hergestellt. Das hat Privatdozentin Regina Katzenschlager vom Donauspital in Wien beim Neurologie-Kongreß in Mannheim berichtet.

Die Anwendung von Apomorphin (Apo-go®) mit Hilfe eines Pens ist bei Parkinson-Patienten indiziert, die trotz einer optimierten oralen Therapie täglich zwischen einer Off-Phase und fünf Off-Phasen haben, sagte Katzenschlager bei einem Symposium des Unternehmens Cephalon. Idealerweise sollten die Patienten in der Lage sein, sich das Medikament bei ersten Anzeichen einer Off-Phase selbst in die Bauchdecke oder in den Oberschenkel zu injizieren.

Besonders geeignet sei die Behandlung für Patienten mit unvorhersehbaren Off-Phasen, mit schmerzhaften Dystonien im Off-Zustand oder mit nichtmotorischen Off-Symptomen wie Schmerzen, Stimmungsschwankungen, Stuhlentleerungs-Störungen oder Schweißregulations-Störungen.

Die Wirkung der Apomorphin-Injektion setzt nach fünf bis 20 Minuten ein und hält im Schnitt 40 bis maximal 90 Minuten an. Die Off-Phase wird schnell beendet.

In neun offenen Studien ließ sich mit durchschnittlich 3,6 Apomorphin-Injektionen pro Tag die durchschnittliche tägliche Off-Zeit um 44 Prozent vermindert. Die verbleibenden Off-Perioden seien weniger stark ausgeprägt gewesen, sagte Katzenschlager. In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 29 Patienten konnte Apomorphin bei 95 Prozent der Injektionen die jeweilige Off-Periode unterbrechen.

Dagegen wurden nur 23 Prozent der Off-Perioden nach Placebo-Injektion unterbrochen. Insgesamt ließ sich mit dem Dopamin-Agonisten die tägliche Off-Zeit um zwei Stunden, mit Placebo gar nicht reduzieren.

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