Ärzte Zeitung, 23.02.2007

Stromimpulse helfen jungen Parkinson-Kranken

Tiefenhirnstimulation bessert die Lebensqualität auch bei Patienten mit nur mäßig stark ausgeprägten Symptomen

PARIS (mut). Die Tiefenhirnstimulation (THS) wird bei Parkinson-Patienten meist nur im fortgeschrittenen Krankheitsstadium angewandt, wenn die Patienten auf Medikamente nicht mehr ausreichend ansprechen. Nach einer neuen Studie ist das Verfahren aber auch in einem frühen Stadium geeignet: Die Lebensqualität ist damit besser als bei einer alleinigen Arzneitherapie.

Eine Operation, bei der Elektroden im Gehirn implantiert werden, hat sowohl bei Ärzten als auch bei Parkinson-Patienten bislang eine geringe Akzeptanz. Die THS wird daher meist nur als Ultima Ratio angewandt, wenn eine dopaminerge Therapie nicht mehr ausreichend wirkt. Die Patienten sind im Schnitt seit 14 Jahren krank, bevor sie operiert werden. Dabei könnten auch junge Patienten mit milden Symptomen von dem Verfahren profitieren. Mehr noch: Gerade bei jungen Patienten, die noch eine lange Krankheitsgeschichte vor sich haben, lassen sich per THS offenbar motorische Fluktuationen und Dyskinesien hinauszögern. Darauf deuten Daten einer ersten kleinen Studie französischer Ärzte (Neurology 68, 2007, 268). Fluktuationen und Dyskinesien treten häufig nach einigen Jahren Arzneitherapie auf und können die Lebensqualität erheblich einschränken.

In ihrer Studie haben die Ärzte 20 Parkinson-Patienten behandelt, die alle jünger als 55 Jahre alt waren und nur milde bis mäßige Symptome hatten. Alle wurden medikamentös behandelt, die Hälfte erhielt zudem THS.

Gemessen wurde die Lebensqualität mit einem speziellen Fragebogen für Parkinson-Patienten, dem PDQ-39 (maximal 100 Punkte bei geringster Lebensqualität).

Die Ergebnisse: Mit THS war der Wert auf der PDQ-39-Skala 18 Monate nach der Op von zu Beginn 35 auf 30 Punkte gefallen, ohne Op verschlechterte sich der Wert von 38 auf 42 Punkte.

Der Unterschied lasse sich vor allem mit einer besseren motorischen Funktion durch die THS erklären, so die Autoren. Motorische Komplikationen gingen bei den operierten Patienten auf einer Skala um 83 Prozent zurück, bei Patienten ohne Op nahmen sie um 15 Prozent zu. Gleichzeitig benötigten die Patienten mit THS nach 18 Monaten 57 Prozent weniger L-Dopa, die Patienten ohne Op dagegen 12 Prozent mehr. Die Patienten mit THS hatten zudem seltener psychische Störungen.

Die Autoren plädieren dafür, eine THS gerade auch bei Patienten mit früh beginnendem M. Parkinson zu erwägen, sollten sich die Ergebnisse ihrer Untersuchung in größeren Studien bestätigen.

Eine solche Studie wird derzeit in Deutschland und Frankreich geplant. An dem binationalen Projekt sollen 250 jüngere Parkinson-Kranke teilnehmen.

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Keine Angst vor Elektroden im Hirn!

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