Ärzte Zeitung, 25.01.2008

Neuer Dopamin-Agonist zögert Therapie mit L-Dopa hinaus

Piribedil hat sich als ähnlich effektiv erwiesen wie Bromocriptin

NEU-ISENBURG (ner). Mit Piribedil gibt es seit kurzem in Deutschland ein neues Antiparkinson-Mittel. Der nicht-ergoline Dopamin-Agonist hat in Studien bei Patienten im frühen Stadium der Krankheit eine L-Dopa-Therapie deutlich hinausgezögert. Und in einer Vergleichsstudie war die Arznei ähnlich gut wirksam wie Bromocriptin.

 Neuer Dopamin-Agonist zögert Therapie mit L-Dopa hinaus

Tremor bei einem Parkinson-Patienten.

Foto: Deutsche Parkinson Vereinigung

Piribedil war als Arznei gegen zentrale und periphere Durchblutungsstörungen im Handel. Vom Unternehmen Desitin wurde der Dopamin-Agonist jetzt als Clarium® zur Parkinsontherapie eingeführt. Die Arznei ist bei frühen und fortgeschrittenen Parkinson-Stadien zur Mono- und zur Kombinationstherapie mit L-Dopa zugelassen.

Die Wirksamkeit wurde etwa in der Multicenterstudie REGAIN× bei mehr als 400 Patienten mit frühem Morbus Parkinson (Stadium I bis III) als Monotherapeutikum gegen Placebo geprüft. Sieben Monate nach Therapiebeginn hatte sich der Wert auf der motorischen Parkinsonskala UPDRS-III mit Piribedil im Schnitt von 25,9 um 4,9 Punkte gebessert, dagegen kam es in der Placebo-Gruppe von 23,1 zu einer Verschlechterung um durchschnittlich 2,6 Punkte. Der Unterschied war signifikant, berichtet Dr. Olivier Rascol aus Toulouse in Frankreich (Movement Disorders 21, 2006, 2110). Die Ansprech-Rate (Verbesserung um mehr als 30 Prozent vom UPDRS-III-Ausgangswert) war mit 42 versus 14 Prozent ebenfalls signifikant besser.

Das spiegelte sich auch in den Aktivitäten des täglichen Lebens wider (UPDRS-II-Wert). Eine zusätzliche Levodopa-Behandlung benötigten nach sieben Monaten 17 Prozent der Patienten in der Verumgruppe und 40 Prozent der Patienten mit Placebo.

Die Verträglichkeit des Dopaminagonisten hat Rascol als gut bewertet. 7,5 Prozent der Verum-Patienten und 2 Prozent aus der Kontrollgruppe beendeten die Therapie wegen unerwünschter Wirkungen. Meist waren das gastrointestinale Symptome oder psychiatrische Störungen.

Im Direktvergleich mit Bromocriptin hat sich Piribedil zudem als ähnlich effektiv erwiesen.

In einer Studie waren bei 425 Patienten mit frühem idiopathischem Morbus Parkinson die Wirkstoffe (Piribedil 150 mg/d, Bromocriptin 25 mg/d) mit Levodopa kombiniert worden, berichtet Dr. Alexandre Castro-Caldas aus Lissabon (Movement Disorders 21, 2006, 500). Nach einem Jahr war in beiden Gruppen der UPDRS-Wert um acht Punkte besser, die Ansprechraten lagen zwischen 55 und 58 Prozent.

×REGAIN: Early Treatment of Idiopathic PD with the Dopaminergic Agonist Trivastal 50 Retard in Monotherapy.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »