Ärzte Zeitung online, 17.10.2008

Früherkennung bei Parkinson soll ausgebaut werden - Kongress in Dresden

DRESDEN (dpa). Eine Früherkennung kann aus Sicht von Experten ein Fortschreiten der Parkinson-Krankheit bremsen und die Lebensqualität der Patienten verbessern. "Wir können Parkinson nach wie vor nicht heilen", sagte der Neurologe Professor Heinz Reichmann am Rande des Parkinson-Weltkongresses, der bis zum Sonntag in Dresden stattfindet.

Es gebe jedoch Hinweise, dass manche Medikamente das Fortschreiten der Krankheit zumindest abbremsen, sagte Reichmann. Vor Jahren noch ließen sich nur die Symptome behandeln.

Frühe Anzeichen der Krankheit könnten Störungen des Geruchsinns, Verstopfung oder Depressionen sein, erläuterte der Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Dresdner Universitätsklinikum. Auch wenn die Schrift immer kleiner und krakeliger werde, Schulter und Arme schmerzten, weise dies auf Parkinson hin. "Das wollen wir bekannter machen, weil wir glauben, dass die Symptome mit Medikamenten behandelt werden sollten, ehe schwere Störungen auftreten", betonte Reichmann.

Geforscht wird an der Umwandlung von Stammzellen in Dopamin-produzierende Zellen

Die Forscher gehen davon aus, dass einige Substanzen, die für Verfall und Untergang der Dopamin-produzierenden Nervenzellen verantwortlich sind, in ihrer Wirkung gebremst werden können. Weltweit werde aber auch an anderen Therapien geforscht. "Eine Methode könnte die Umwandlung von Stamm- in Dopamin-produzierende Nervenzellen durch neurochemische Eingriffe sein, die dann ins Gehirn gespritzt werden."

Dabei gebe es aber Probleme wie die immunologische Abstoßung. "Ich würde derzeit niemandem raten, sich irgendwo auf der Welt Stammzellen spritzen zu lassen." Die Hoffnung sei aber berechtigt, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre die Anwendungsfähigkeit der Stammzelltherapie herausstellen werde.

"Bei all ihrem Schrecken kann Parkinson heute sehr sehr gut behandelt und der Mangel an Botenstoffen durch künstliche Zugabe von Dopamin mit vielen Tricks von außen medikamentös repariert werden." Dies könne Jahrzehnte fantastisch funktionieren. "Danach gewährt ein Hirnschrittmacher ausreichend gute Lebensqualität." In Deutschland gibt es 250 000 Parkinson-Kranke.

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