Ärzte Zeitung online, 24.10.2008

Parkinson-Patient erhält ersten Dauer-Hirnschrittmacher

KÖLN (dpa). Ein Parkinson-Patient hat am Freitag in Köln zum weltweit ersten Mal einen von außen aufladbaren Hirnschrittmacher erhalten. Das akkubetriebene Gerät erspart dem Patienten die bislang alle zwei bis fünf Jahre fälligen Austausch-Operationen.

Modell einer Hirnstimulation bei Morbus Parkinson

Modell einer Hirnstimulation bei Morbus Parkinson

Foto: Medtronic

Diese Austausch-Operationen hätten bislang in bis zu 20 Prozent der Fälle zu schweren Komplikationen geführt, sagte der Neurologe Professor Lars Timmermann von der Universitätsklinik Köln.

Der neue Schrittmacher könne zudem mehrere Stellen im Gehirn gleichzeitig und unterschiedlich stark stimulieren und damit Fehlleistungen gezielter und zugleich schonender korrigieren als bisher möglich. Er müsse nun nur alle neun Jahre ausgetauscht werden.

Die neue Hirnschrittmacher-Generation bringe im Vergleich zu den bisher bei Parkinson, Dystonie (mitunter tödlich verlaufende Verkrampfungen) und Tremor (Zittern) eingesetzten Schrittmachern wesentliche Vorteile, sagte Timmermann zur dpa. Er hatte die Operation mit seinem Kollegen Professor Volker Sturm und drei weiteren Experten geleitet.

Das Verfahren werde effektiver und schonender. "Wir können jetzt mehrere Hirnareale getrennt ansteuern und dort sehr selektiv stimulieren und die Symptome genauer angehen." Zugleich sollten die Nebenwirkungen verringert werden: "Bisher mussten wir so viel Strom geben, dass verschiedene Hirnareale ungewollt mitbeeinflusst wurden, diese Nebenwirkungen hoffen wir jetzt vermeiden zu können."

Für die Entwicklung des nun erstmals implantierten Hirnschrittmachers waren der Kölner Experte Sturm und sein Kollege Professor Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich 2006 für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden.

Der Schrittmacher wird dem Patienten im Brust- oder Oberbauchbereich eingesetzt und erzeugt elektrische Impulse. Diese werden durch Leitungen, die unter der Haut verlegt sind, an die betroffenen Gehirn-Regionen und die dort implantierten winzigen Elektroden geschickt.

Bei dem Parkinson-Patienten sei die dreistündige OP sehr erfolgreich verlaufen, sagte Timmermann. Das Zittern sei unterdrückt, die Steifheit und Unterbeweglichkeit zugleich positiv beeinflusst worden. Von den neuen Hirnschrittmachern könnten nach Worten des Mediziners geschätzte rund 25 000 Parkinson-Patienten und einige tausend andere Schwerstkranke in Deutschland profitieren.

Hirnschrittmacher werden seit rund 15 Jahren in Deutschland eingesetzt, meist bei Patienten mit Parkinson, bei denen konventionelle Therapien nicht mehr anschlagen. Auch bei Patienten mit schweren Depressionen, Angst- oder Zwangserkrankungen hatte Sturm diese Geräte vor einigen Jahren als bundesweit erster Mediziner implantiert.

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