Ärzte Zeitung online, 15.04.2009

Können Farbstoffe in roten Beeren und Gemüse vor Morbus Parkinson schützen?

REGENSBURG (eb). Beeren enthalten in hohen Konzentrationen rote und blaue Farbstoffe, die Anthocyane. Ihnen werden zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte wie Entzündungshemmung zugeschrieben. Regensburger Wissenschaftler konnten jetzt Hinweise erbringen, dass sie auch in der Prävention von M. Parkinson und Depressionen wirksam sein könnten.

Können Farbstoffe in roten Beeren und Gemüse vor Morbus Parkinson schützen?

Lässt sich M. Parkinson mit Anthocyanen aus roten Beeren vorbeugen?

Foto: manolito © www.fotolia.de

Wie Mitarbeiter vom Lehrstuhl für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Regensburg berichten, fungieren die Farbstoffe gleichzeitig als Hemmstoffe von zwei Enzymen, die für den Gehirnstoffwechsel eine wichtige Rolle spielen. In Experimenten an insgesamt 25 verschiedenen Beereninhaltsstoffen fanden sich mehrere Farbstoffe, die eine hemmende Wirkung auf die Monoaminooxidasen (MAO) A und B entfalteten (Pharmacological Research 59, 2009, 306).

MAO-Hemmstoffe zählen seit langem zu den bewährten Medikamenten in der Behandlung von M. Parkinson und von Depressionen. Zwar erreichten die Beerenwirkstoffe nicht die Effektstärke von handelsüblichen Arzneimitteln, doch es ist vorstellbar, dass ihre Einnahme mit der Nahrung gesundheitliche Vorteile bietet. MAO A und B wirken in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle.

Eine Hemmung des Enzyms führt zum verlangsamten Abbau verschiedener Neurotransmitter wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin sowie einiger Hormone wie beispielsweise Adrenalin. Im Gehirnstoffwechsel stehen dann vermehrt Neurotransmitter zur Signalübertragung bereit.

Gegenwärtig ist noch unklar, welche Menge Beeren täglich zu essen ist, um eine messbare Hemmung von MAO A und B in der Praxis herbeizuführen. Besonders reich an Anthocyanen sind Heidelbeeren und Holunderbeeren, die davon je zwischen 600 und 1400 mg pro 100 g enthalten. Zu den übrigen Nahrungsquellen mit hohem Anthocyananteil zählen Weintrauben, Kirschen und Rotkohl.

Abstract der Studie "Berry anthocyanins and their aglycons inhibit monoamine oxidases A and B"

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