Ärzte Zeitung, 01.04.2010
Häufig Demenz und Depression bei
Parkinson
Die GEPAD-Studie liefert jetzt erstmals
repräsentative Daten zu neuropsychiatrischen
Begleiterkrankungen bei Parkinson. Danach hat ein Drittel der
Parkinsonkranken Depressionen, knapp 30 Prozent haben eine Demenz.
Von Professor Hans-Ulrich Wittchen und Dr. Oliver
Riedel
DRESDEN. Die
Häufigkeit von Demenz, Depression und anderen
neuropsychiatrischen Manifestationen bei der Parkinson-Krankheit (PD)
wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Bislang fehlten vor allem
verlässliche Erkenntnisse für den Bereich der
niedergelassenen neurologischen Versorgung, in dem Patienten mit PD
vorrangig behandelt werden. Die GEPAD*-Studie hatte zum Ziel, diese
Erkenntnislücke zu schließen. An einem
Studienstichtag im Jahre 2005 wurden auf der Grundlage einer bundesweit
repräsentativen Stichprobe (n=1 449, für
n=20 lagen keine vollständigen Daten vor) zufällig
ausgewählte Patienten mit Parkinson-Erkrankungen in allen
Erkrankungsstadien in 315 neurologischen Praxen standardisiert und
klinisch untersucht.

Häufigkeit
neuropsychiatrischer
Symptome bei Parkinson in der GEPAD-Studie
Hohe neuropsychiatrische Krankheitslast
28,2 Prozent aller Patienten erfüllten die DSM-IV
Demenzkriterien, 33,6 Prozent erfüllten die Studienkriterien
für Depression oder wurden gegen eine solche behandelt, bei 61
Prozent lagen zusätzlich weitere klinisch relevante
neuropsychiatrische Syndrome vor; nur 29,4 Prozent wiesen neben ihrer
Parkinsonsymptomatik keine psychopathologischen
Auffälligkeiten auf.
GEPAD zeigt damit erstmals umfassend, dass das Spektrum und
Ausmaß der Krankheitslast durch neuropsychiatrische
Störungen bereits bei jüngeren Patienten und in
frühen Stadien der Parkinson-Krankheit
außerordentlich hoch ist und die neurologische Versorgung vor
große Herausforderungen stellt.
25,2 Prozent erfüllten die MADRS (Montgomery-Asberg
Depression Rating Scale) Kriterien einer Depression, Frauen
häufiger als Männer (29,3 versus 22,4 Prozent).
Weitere 8,4 Prozent wiesen eine unterschwellige Symptomatik auf, wurden
aber gleichzeitig mit Antidepressiva behandelt, so dass von einer
Gesamtprävalenz von 33,6 Prozent ausgegangen werden kann. Auch
hinsichtlich der Depression zeigte sich ein starker Einfluss des
Parkinsonschweregrads (bis zu 57,5 Prozent bei Frauen im schwersten
Stadium). Es lagen jedoch keine Alterseffekte vor. Wie auch bei der
Demenz gab es keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen
der depressiven Erkrankung und der Dauer der Parkinsonerkrankung.
In der untersuchten Patientenstichprobe zeigte sich eine hohe
Komorbidität. Bezogen auf demenzielle und depressive
Erkrankungen waren 39,6 Prozent zumindest von einer von beiden
Störungen betroffen, und bei 12,3 Prozent lagen beide
gleichzeitig vor.
Depressionen: häufige Komplikation bei PD
Das Vorliegen weiterer neuropsychiatrischer Symptome in
klinisch bedeutsamer Ausprägung wurde von den teilnehmenden
Studienärzten anhand von Symptomlisten dokumentiert.
Schließt man neben Demenz und Depression auch
Schlafstörungen, Angstsymptome, psychotische Symptome
(Wahnvorstellungen oder Halluzinationen) oder Zwangssymptome in die
Häufigkeitsanalyse mit ein, so sind im Querschnitt 70,6
Prozent aller Patienten zumindest von einer dieser Komplikationen
betroffen.
Mit der GEPAD-Studie liegen erstmals wichtige, aufgrund der
hohen Teilnahmerate verlässliche, repräsentative,
epidemiologische Daten über die Häufigkeit von
Demenz, Depression und anderen neuropsychiatrischen Syndromen bei
Patienten mit der Parkinson-Krankheit vor. Die Ergebnisse
verdeutlichen, dass bereits bei diesen Patienten - die in der Regel
jünger und weniger schwer betroffen sind als Patienten in
stationärer Versorgung - häufig ein breites Spektrum
an neuropsychiatrischen Komplikationen vorliegt. Die in der
GEPAD-Studie gewonnenen Daten belegen eindrücklich, mit welch
komplexen Störungskonstellationen niedergelassene
Fachärzte bereits in der Routineversorgung von Patienten mit
der Parkinson-Krankheit konfrontiert werden und legen nahe, die
klinische und Grundlagenforschung zu diesen komplexen
Zusammenhängen zu intensivieren.
*GEPAD: German Study on Parkinson's Disease with Dementia
GEPAD-Studie - die Autoren
Prof. Hans-Ulrich Wittchen und Dr. Oliver Riedel sind an der
TU Dresden am Institut für Klinische Psychologie und
Psychotherapie tätig. Ebenfalls beteiligt an der GEPAD-Studie
waren Prof. Heinz Reichmann, Dresden, Prof. Günther Deuschl,
Kiel, Dr. Annika Spottke, Bonn, Prof. Hans Förstl,
München, Prof. Fritz Henn, Upton (USA), Prof. Isabella Heuser,
Berlin, Prof. Wolfgang Oertel, Marburg, Prof. Peter Riederer,
Würzburg, Prof. Claudia Trenkwalder, Kassel, Prof. Richard
Dodel, Marburg.
Die GEPAD-Studie wurde durch einen "unrestricted educational
grant" von Novartis Pharma gefördert und wurde durch das
Bundesministerium für Bildung und Forschung
unterstützt.

Weitere Beiträge