Ärzte Zeitung online, 15.04.2010

Mit grünem Tee gegen Alzheimer-Plaques?

BERLIN-BUCH (eb). Ein Stoff im grünen Tee macht offenbar Ablagerungen unschädlich, die zum Beispiel im Gehirn von Alzheimer-Patienten gebildet werden und neurotoxisch sind.

Ein Stoff in grünem Tee macht giftige Alzheimer-Ablagerungen unschädlich

Die in grünem Tee enthaltene Substanz EGCG kann womöglich Plaques unschädlich machen. © Carmen Steiner / fotolia.com

Die Tee-Substanz EGCG - das steht für Epigallocatechin-3-gallate - bindet zunächst an die faserigen Eiweißablagerungen und wandelt sie dann in ungiftige und damit für die Nervenzellen harmlose, kugelige Eiweißaggregate um. Diese können dann von den Nervenzellen abgebaut werden. Das haben Wissenschaftler aus der Nachwuchsgruppe von Dr. Jan Bieschke und der Forschungsgruppe von Professor Erich Wanker des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch festgestellt. (PNAS online). Die Entdeckung machten sie in Versuchen im Reagenzglas und in Zellkulturen.

Die gefährlichen Eiweißablagerungen - auch als Plaques bezeichnet - entstehen in einem mehrstufigen Vorgang, und zwar über die Ansammlung mehrerer Eiweißvorstufen durch fehlerhafte Eiweißfaltung. Für Nervenzellen sind diese Ablagerungen giftig, die Zellen werden abgetötet. Die Fehlfaltung von Eiweißmolekülen gilt als Ursache von Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson sowie von Chorea Huntington, auch als Veitstanz bekannt.

Substanz aus dem Tee fördert den Gift-Abbau

In ihren Versuchen hatten die MDC-Forscher zunächst toxische Eiweißablagerungen in Zellen geschleust, die ein Modell für molekulare Prozesse der Alzheimerschen Erkrankung sind. Die Zellen hatten daraufhin einen geringeren Stoffwechsel, außerdem war ihre Zellhülle weniger stabil, beides Zeichen für eine Schädigung durch die Plaques. Diese Effekte verschwanden nach Behandlung mit der Tee-Substanz EGCG. Und: Die Zellen konnten die toxischen Eiweißablagerungen sogar abbauen. Die Forscher haben damit erstmals den Mechanismus der Inaktivierung im Detail aufgeklärt.

Das Besondere bei der Inaktivierung sei dabei, so die Forscher, dass die giftigen Ablagerungen nicht aufgelöst, sondern durch die Substanz aus grünem Tee direkt in ungiftige Ablagerungen umgewandelt werden. Damit können während des Prozesses keine kleineren Bruchstücke der Eiweißablagerungen entstehen. Diese stehen im Verdacht, besonders giftig für Nervenzellen zu sein.

Die Studie schließt an Arbeiten an, in denen die Forscher der Arbeitsgruppe von Wanker gefunden hatten, dass EGCG die Bildung giftiger Ablagerungen bereits im Vorfeld verhindern kann. Dabei bindet die Substanz in einer sehr frühen Phase direkt an die noch ungefalteten Eiweiße und verhindert damit deren Fehlfaltung. Das gilt für verschiedene Erkrankungen, die auf Proteinfehlfaltung zurückgehen. So hatten 2006 und 2008 Dr. Dagmar Ehrnhöfer und Bieschke bereits belegen können, dass EGCG die Entstehung giftiger Ablagerungen in Versuchsmodellen für Chorea Huntington sowie für Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson verhindert.

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