Ärzte Zeitung online, 19.05.2010

Cytochrom-Variante schützt Raucher vor Parkinson

BOZEN (mut). Rauchen verursacht Krebs, schützt aber offenbar vor Parkinson - zumindest bei Menschen, die Nikotin mit einer bestimmten Cytochrom-Variante abbauen. Diese Erkenntnis lässt sich mitunter auch therapeutisch nutzen.

Cytochrom-Variante schützt Raucher vor Parkinson

Rauchen: Ungesund für die Lunge, aber ein bisschen gesund fürs Gehirn - jedenfalls nach neuen Daten. © bilderbox / fotolia.com

Inzwischen gibt es einige Studie die zeigen, dass Raucher seltener Parkinson bekommen als Nichtraucher - und dies liegt nicht nur daran, dass Raucher früher sterben und seltener das Alter erreichen, in dem Parkinson am häufigsten auftritt. Auch alte Raucher haben seltener Parkinson als gleichalte Nichtraucher. Zum Teil wird dies mit neuroprotektiven Eigenschaften von Nikotin sowie dessen Abbauprodukten erklärt. Allerdings: Rauchen schützt nicht komplett, sondern senkt das Parkinson-Risiko um etwa die Hälfte.

Wie Forscher der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) und der Mayo Klinik in Rochester in den USA nun herausgefunden haben, wird das Parkinson-Risiko bei Rauchern auch von genetischen Faktoren bestimmt. Ob ein Raucher an Parkinson erkrankt oder nicht, hängt offenbar zum großen Teil von der Abbaugeschwindigkeit des Nikotins ab, die über das Enzym Cytochrom P450 gesteuert wird - genauer von der Cytochrom-Variante 2A6, über die auch viele Psychopharmaka abgebaut werden. Die Wissenschaftler konnten in einer Studie mit 1228 Probanden unter Leitung von Dr. Maurizio Facheris vom EURAC zeigen, dass vor allem Raucher mit einer bestimmten Variante des 2A6-Gens deutlich seltener an Parkinson erkranken.

Es muss nun noch genauer untersucht werden, ob die Schutzwirkung tatsächlich auf diese Variante des Cytochrom-2A6-Gens oder auf das bei Rauchern nachweisbare Abbauprodukt Cotinin, das durch die Wirkung dieses Gens entsteht, zurückzuführen ist. "Sollte sich diese zweite Annahme bestätigen, könnte ein Medikament auf der Basis von Cotinin eine Parkinson-Erkrankung verhindern", so Facheris in einer Mitteilung der EURAC.

Die Studie ist auf dem Jahreskongress der American Academy of Neurology (AAN) in Toronto vorgestellt und als eine der besten fünf Prozent von insgesamt 2000 Studien ausgezeichnet worden.

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