Ärzte Zeitung online, 22.02.2011

Erhöhtes Parkinson-Risiko durch Amphetamine?

Wer über längere Zeit bestimmte Amphetamine einnimmt, hat möglicherweise ein hohes Parkinson-Risiko. In einer Langzeitstudie war die Erkrankungsrate bei Patienten mit solchen Substanzen um 60 Prozent erhöht.

OAKLAND (mut). Immer wieder wird diskutiert, ob bestimmte Umweltgifte, Drogen oder Medikamente das Parkinson-Risiko beeinflussen. Ein Grund dafür ist, dass man mit Substanzen wie MPTP oder bestimmten Pestiziden im Tiermodell einen Parkinson-ähnlichen Verlauf induzieren kann.

Ein Team von US-Forschern hat nun bei über 66.300 Teilnehmern einer Langzeitstudie Hinweise darauf gefunden, dass auch bei Patienten mit Amphetaminen das Parkinson-Risiko erhöht ist. Zu Beginn der Studie im Jahr 1964 waren die Teilnehmer im Schnitt 36 Jahre alt, zum Studienende im Jahr 1995 waren 1154 Teilnehmer an Parkinson erkrankt.

Erfasst wurde unter anderem, ob die Teilnehmer Amphetamine verordnet bekamen. In den 60er und 70er Jahren wurden solche Substanzen zum Abspecken verwendet, heute werden sie in den USA noch gegen ADHS, Narkolepsie sowie als Wachmacher verordnet.

Nach den Studiendaten war die Parkinson-Rate insgesamt bei Teilnehmern mit Amphetaminderivaten um etwa 60 Prozent erhöht - jedoch nicht bei Teilnehmern, die mit Amphetaminen abspecken wollten. Hier wurde keine erhöhte Prävalenz festgestellt, heißt es in einer Mitteilung der American Academy of Neurology (AAN).

Die Studienautoren um Dr. Stephen K. Van Den Eeden aus Oakland in Kalifornien vermuten, dass der Einfluss von bestimmten Amphetaminen auf den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn das Parkinson-Risiko erhöht. Daten der Studie werden Anfang April auf dem Kongress der AAN in Honolulu vorgestellt.

In Deutschland sind Amphetamine zwar nicht mehr als Fertigarzneimittel erhältlich, aber als illegale Drogen in der Techno-Szene beliebt. Verbreitet ist vor allem N-Methylamphetamin (Speed, Crystal Meth). In Tierversuchen mit der Substanz gab es bereits in der Vergangenheit Hinweise auf Schädigungen des dopaminergen Systems und damit auf ein erhöhtes Parkinson-Risiko.

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