Ärzte Zeitung online, 29.09.2011

Parkinson: XCell-Therapie wirkungslos und teuer

Bringt nichts, kostet viel und schadet schlimmstenfalls: Die umstrittene Parkinson-Therapie des XCell-Centers bringt die Neurologen auf die Palme.

Parkinson: XCell-Therapie wirkungslos und teuer

Stammzell-Kultur: Die Therapie des XCell Center war nach Ansicht von Neurologen weitgehend wirkungslos.

© imagebroker / imago

WIESBADEN (mut). Das inzwischen geschlossene XCell-Center in Düsseldorf hatte mithilfe einer gesetzlichen Lücke Patienten mit Parkinson, Alzheimer oder Querschnittslähmung eine bisher ungeprüfte Stammzelltherapie angeboten.

Dabei wurden den Patienten Knochenmarkszellen aus dem Beckenkamm entnommen und in Liquor oder gar direkt ins Gehirn injiziert. Diese Zellübertragung sollte über Regenerationsprozesse die Beschwerden lindern.

Erst als an den Folgen eines solchen Eingriffs im Sommer 2010 ein Kind starb und bei zwei weiteren schwere Komplikationen auftraten, wurde die Therapie untersagt.

Zellen ins Frontalhirn injiziert

Bei dem tödlich verlaufenden Eingriff hatten Ärzte die Zellen ins Frontalhirn eines Kindes mit Zerebralparese injiziert, worauf es zu schweren Blutungen kam, sagte Professor Alexander Storch aus Dresden auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Wiesbaden.

Die DGN hatte bereits im Juni 2009 vor den Gefahren der ungeprüften Therapie mit adulten Stammzellen gewarnt. Die Patienten mussten dafür bis zu 30.000 Euro bezahlen.

Schon bald, nachdem die Therapie angeboten worden war, landeten viele der Patienten wieder bei Neurologen, weil die Symptome nicht besser oder sogar schlechter geworden sind.

Aufruf aus der Fachgesellschaft

Die Patienten waren in der Regel nach der Prozedur von dem Center nicht nachuntersucht worden, so Storch. Die DGN startete daher einen Aufruf, Parkinson-Patienten, die vom XCell-Center behandelt worden waren, für eine Studie zu untersuchen.

Dazu erklärten sich allerdings nur 17 Patienten bereit. "Viele Betroffene, die an alternative Heilmethoden glauben, scheuen sich, an solchen Untersuchungen teilzunehmen", sagte Storch, der die Ergebnisse der Untersuchung auf dem DGN-Kongress vorstellte.

Soweit ein Vergleich mit dem Zustand vor dem Eingriff möglich war, konnten die Neurologen bei keinem einzigen der Patienten eine Verbesserung feststellen. Bei allen Parkinson-Patienten waren die autologen Knochenmarkzellen in den Liquor injiziert worden.

Kein Nutzen, keine großen Schäden

Dabei waren zumindest keine Komplikationen aufgetreten. Zwei der Patienten hatten nach dem Eingriff noch lange Schmerzen am Beckenkamm, was bei einer Entnahme von Zellen dort häufig der Fall ist.

Das Fazit von Storch: Genützt hat die Therapie offenbar nichts, geschadet hat sie zumindest den Parkinson-Patienten aber auch nicht.

Die umstrittene Therapie war deshalb in Deutschland möglich, weil sich XCell auf den individuellen Heilversuch bei schweren Erkrankungen berufen hat.

Im Ausland verbotenes Verfahren

Dafür war lediglich eine Herstellungserlaubnis zur Gewinnung der Stammzellen erforderlich, nicht aber eine Anwendungserlaubnis. In den meisten anderen Ländern ist das Verfahren verboten, daher strömten auch viele Patienten aus dem Ausland nach Düsseldorf.

Inzwischen, so Storch, seien Gesetzesänderungen geplant, nach denen solche "individuellen Heilversuche" abseits etablierter Therapien nur in größeren Einrichtungen wie Unikliniken erlaubt sein sollen.

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