Ärzte Zeitung, 24.06.2014

Alpha-Synuclein

Hautbiopsie weist Parkinson nach

Mit einer Hautbiopsie lässt sich offenbar gut zwischen Morbus Parkinson und anderen neuromotorischen Krankheiten unterscheiden. So sind krankheitstypische Lewy-Körperchen auch in peripheren Nervenfasern nachweisbar. Sie enthalten Alpha-Synuclein-Ablagerungen als Marker.

Von Thomas Müller

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Eine Biopsie wird ausgewertet: Alpha-Synuclein in peripheren Nerven scheint sehr spezifisch für idiopathischen Morbus Parkinson zu sein.

© Anna Ivanova / iStock

ISTANBUL. Alpha-Synuclein-Ablagerungen, wie sie für Patienten mit Morbus Parkinson typisch sind, wurden inzwischen nicht nur im Gehirn, sondern auch in vielen anderen Organen entdeckt, etwa in den Nervenfasern im Darm oder in der Haut.

Solche Ablagerungen sind nicht nur diagnostisch interessant, sondern möglicherweise auch die Ursache für eine Reihe nichtmotorischer Symptome wie Verstopfung, orthostatische Hypotonie und Neuropathien.

Ergebnisse einer Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Rocco Liguori aus Bologna deuten nun darauf hin, dass bei vielen Patienten mit Morbus Parkinson in der Tat die periphere Faserdichte verändert ist und sich bei praktisch allen Patienten Alpha-Synuclein-Ablagerungen in der Haut nachweisen lassen.

Die Daten wurden jüngst beim europäischen Neurologenkongress (EFNS/ENS Joint Congress of European Neurology) in Istanbul vorgestellt.

Die Forscher hatten für ihre Studie 21 gut charakterisierte Patienten mit Morbus Parkinson untersucht: Die Studienteilnehmer sprachen gut auf eine Behandlung mit L-Dopa an und die Diagnose wurde durch die kardiale SPECT-Szintigrafie unterstützt - mit dieser Technik lässt sich der kardiale Abbau von sympathischen Nervenfasern zeigen.

Nervenfaser-Dichte untersucht

Zusätzlich untersuchten die Neurologen eine Kontrollgruppe mit 30 gesunden Probanden sowie 20 Teilnehmer mit Parkinsonismus, bei denen keine Alpha-Synucleinopathie vermutet wurde. Dazu zählten Patienten mit Mutationen im Parkin-Gen, mit Tauopathien oder vaskulärem Parkinsonsyndrom.

Per Doppel-Immunfluoreszenzfärbung schauten sich die Wissenschaftler nun zum einen die Dichte der Nervenfasern in Hautproben von Oberschenkel, Nacken und Beinen an, zum anderen suchten sie in den Fasern nach phosphorylierten Alpha-Synuclein-Agglomeraten.

Die Forscher fanden vor allem in den Beinen Zeichen einer SmallFiber-Neuropathie, bei der es zu einer isolierten Schädigung der kleinen dünn-myelinisierten A-Delta- und unmyelinisierten C-Fasern kommt. Diese Schädigung kann zu brennenden Schmerzen und fehlerhaftem Temperaturempfinden führen.

Bei Patienten mit idiopathischem Morbus Parkinson war nach Angaben der Forscher die Dichte solcher Nervenfasern deutlich geringer als bei den Gesunden oder denjenigen mit Parkinsonismus.

Zudem zeigten sich in vielen der Fasern bei Parkinsonpatienten Alpha-Synuclein-Ablagerungen - je mehr, umso geringer war die Faserdichte. Die Neuropathie scheint also mit dem Ausmaß der Ablagerungen zu korrelieren. Große Nervenfasern waren jedoch nicht betroffen.

Alle Hautproben vom Nacken positiv

Die Ablagerungen wurden jedoch nur bei einem Fünftel der Parkinsonpatienten in den Beinen entdeckt, waren aber bei allen Betroffenen in den Nackenproben präsent. Dagegen ließ sich Alpha-Synuclein in keiner einzigen Probe aus den beiden Kontrollgruppen nachweisen.

Der Nachweis des Proteins in peripheren Nervenfasern scheint also sehr spezifisch für idiopathischen Morbus Parkinson zu sein, umgekehrt lässt sich bei negativen Nackenproben die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Sensitivität und Spezifität wären demnach sehr hoch, was nun in größeren Untersuchungen bestätigt werden müsste.

Alpha-Synuclein-Ablagerungen gelten sind ein charakteristischer Marker für Morbus Parkinson und sind ein Bestandteil der Lewy-Körperchen. Die Protein-Aggregate wandern über Synapsen in Nachbar-Neurone und induzieren auch dort eine Verklumpung. Auf diese Weise breiten sie sich über das Gehirn aus.

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