Ärzte Zeitung, 11.02.2005

Donepezil hilft auch bei MS dem Gedächtnis auf die Sprünge

Positive Hinweise aus Studie mit 69 Patienten

NEW YORK (ner/mal). Das Alzheimer-Mittel Donepezil kann offenbar bei MS-Patienten mit beginnenden Gedächtnis-Störungen die Gedächtnisleistung bessern. Der zugrundeliegende Wirkmechanismus ist weitgehend unklar.

Etwa jeder zweite MS-Patient leidet an mehr oder weniger stark ausgeprägten kognitiven Störungen. Diese könnten wesentlich zur Behinderung im Alltag beitragen, so Dr. Lauren Krupp von der State University of New York in Stony Brook, USA. Oft handelt es sich um Störungen des Lernens, des Gedächtnisses und der Informationsverarbeitung.

Die US-Forscher haben 69 MS-Kranke mit leichten kognitiven Störungen randomisiert entweder mit täglich 10 mg Donepezil (Aricept®) oder mit Placebo behandelt. Die Studienteilnehmer hatten leichte verbale Gedächtnisstörungen, der Minimental Status Test (MMSE) durfte nicht unter 26 Punkten betragen (Neurology 63, 2004, 1579).

Nach einem halben Jahr war ein signifikanter Unterschied zwischen der Verum- und der Placebo-Gruppe bei dem spezifischen Gedächtnistest SRT (Selective Reminding Test) feststellbar. Beim SRT müssen sich die Patienten zwölf gelistete Worte merken und diese mehrmals auswendig wiederholen.

Der positive Therapieeffekt blieb signifikant nach Berücksichtigung etwa des MS-Subtyps, des Grads der körperlichen Behinderung und der Interferon-Therapie. Die Verbesserungen waren sowohl für die Patienten als auch die behandelnden Ärzte bemerkbar. Die Therapie wurde gut toleriert, auch wenn es einen nicht signifikanten Trend zu vermehrtem Auftreten von Diarrhoe und zu vermehrten MS-Schüben gab.

Zur Wirkweise des Cholinesterase-Hemmers bei Multipler Sklerose existieren bislang nur Hypothesen. So ist bei MS die cholinerge Aktivität vermindert, und zwar als Resultat der Demyelinisierung und der axonalen Schäden.

Zudem wird der Botenstoff Acetylcholin vom Vorderhirn zum Kortex über periventrikuläre Wege transportiert, die typischerweise bei MS geschädigt sind. Zumindest teilweise könnte der positive Effekt auch auf die verbesserte Glukose-Aufnahme des Gehirns unter Donepezil-Therapie zurückgeführt werden, so die US-Neurologen.

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