Ärzte Zeitung, 22.11.2007

Frühzeitige Therapie senkt bei MS-Patienten die Schubrate

In Studie zur Frühtherapie ein Drittel weniger Schübe / Übergang zu einer sekundär progredienten Multiplen Sklerose wird verzögert

FRANKFURT AM MAIN (hbr). Bei Multipler Sklerose (MS) profitieren die Patienten von einem frühen Therapiestart. Belegt ist dies mittlerweile vielfach - etwa auch durch Daten der PRISMS×-Studie. Patienten mit frühem Therapiestart haben danach in den folgenden Jahren signifikant weniger Schübe als bei verzögertem Beginn der Therapie.

Das PRISMS-Ergebnis war eindeutig: Patienten, die vier Jahre lang mit dem Interferon behandelt worden waren, hatten mit beiden getesteten Dosierungen deutlich weniger Schübe als solche mit spätem Therapiebeginn. Das berichtete Professor Patrick Oschmann vom Bayreuther Krankenhaus Hohe Warte bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main.

So war die Schubrate in der Gruppe mit dreimal 22 µg Interferon beta-1a um 19 Prozent niedriger als bei Patienten, die erst nach zwei Jahren mit dieser Dosis behandelt wurden. Mit der Dosierung von dreimal 44 µg lag die Schubrate sogar um 32 Prozent niedriger. "Es macht also einen Unterschied, ob man eine Interferon-Therapie früh oder deutlich zeitversetzt startet", betonte Oschmann bei der von Merck Serono unterstützten Veranstaltung.

Die Studie im Einzelnen: Die teilnehmenden 560 Patienten wurden drei Therapien zugeteilt: 189 injizierten dreimal wöchentlich subkutan 22 µg Interferon beta-1a (Rebif®). 184 erhielten, ebenfalls dreimal pro Woche, die höhere Dosis von 44 µg des Wirkstoffs. 187 bekamen ein Placebo. Nach zwei Jahren wechselten auch die Patienten der Placebo-Gruppe zu einer Behandlung mit 22 oder 44 µg Interferon beta-1a dreimal wöchentlich.

Daten zur Progression der Multiplen Sklerose bestätigen diese Aussage: Der Übergang von einer schubförmig verlaufenden MS zu einer sekundär-progredienten Erkrankung wird durch die Interferon-Therapie offenbar verzögert. Unbehandelt entwickle sich die Erkrankung bei jedem zweiten MS-Patienten innerhalb von 15 Jahren zu einer sekundär-progredienten Krankheit. Mit der Interferon-Therapie dagegen sei dies nur für jeden fünften der so behandelten Patienten zu erwarten, so Oschmann.

×Prevention of Relapses and Disability by Interferon beta-1a Subcutaneously in MS

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »