Ärzte Zeitung online, 09.02.2010

Neue Methode verbessert die Diagnose der Multiplen Sklerose

BONN (eb). Bei Multipler Sklerose (MS) sind sowohl die Nervenzellen der weißen als auch der grauen Substanz in Hirn und Rückenmark angegriffen. In der grauen Hirnsubstanz ließen sich krankhafte Veränderungen bisher aber nur schwer erkennen. Mediziner haben nun ein Untersuchungsverfahren gefunden, das die Schädigungen in der grauen Substanz deutlich besser sichtbar macht.

MS-Läsionen in der weißen Hirnsubstanz lassen sich durch herkömmliche Magnetresonanztomografie (MRT) recht gut erkennen. Mit dem herkömmlichen MRT bleiben die kortikalen Läsionen jedoch vielfach unentdeckt.

Dr. Mike Wattjes vom MS & Alzheimer Center Amsterdam und sein Team wollten prüfen, ob sich die Erkennungsrate der kortikalen Läsionen optimieren lässt. An der Uni Bonn untersuchte er mit seinem Team 34 MS-Patienten und neun Kontrollpersonen in zwei Magnetresonanztomografen bei unterschiedlicher Magnetfeldstärke.

Dabei kam heraus, dass bei einem Hochfeld-MRT mit 3 Tesla Feldstärke deutlich mehr Läsionen zu erkennen waren als bei einem MRT mit der herkömmlichen Feldstärke von 1,5 Tesla (European Radiology, online vorab, Januar 2010). Bei Untersuchungen mit Hochfeld MRT plus einer sogenannten Double Inversion Recovery (DIR)-Pulssequenz stachen die kortikalen Läsionen im Bild am deutlichsten hervor. Die Erkennungsrate lag dabei fast drei Mal so hoch wie bei einer herkömmlichen MRT-Untersuchung bei 1,5 Tesla.

Die kortikalen Veränderungen sind von entscheidender klinischer Relevanz, da sie vor allem mit dem Grad der körperlichen Behinderung und der kognitiven Beschwerden in Verbindung stehen, so Wattjes. Mit dem Einsatz der Hochfeld-MRT in Kombination mit speziellen Pulssequenzen können die Wissenschaftler diese Läsionen besser sichtbar machen. Damit könne auch schon zu einem recht frühen Erkrankungszeitpunkt mit größerer Sicherheit gesagt werden, ob eine MS vorliegt oder nicht.

In der Vergangenheit konnte man oft nur auf Basis von neurologischen Befunden und damit recht spät die Diagnose sicher stellen und behandeln. Mit der MRT-Diagnostik haben Ärzte nun die Möglichkeit, eine Krankheitsaktivität zu erkennen, bevor sie sich beim Patienten klinisch neurologisch eindeutig manifestiert, so Wattjes. Mit Hilfe der Hochfeld-MRT und neuer Bildgebungstechniken hoffen die Wissenschaftler, in Zukunft auch den Ursachen der Erkrankung auf die Spur zu kommen.

Abstract der Originalstudie: "Improved in vivo detection of cortical lesions in multiple sclerosis using double inversion recovery MR imaging at 3 Tesla"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »