Ärzte Zeitung, 11.03.2010

Steroide halbieren Schubrate bei MS

Therapie mit Steroiden plus Interferon ist in ersten Studien weit wirksamer als eine Interferon-Monotherapie

WIESBADEN (mut). Methylprednisolon verbessert die Interferontherapie bei Multipler Sklerose: Die Schubrate lässt sich damit um weitere 60 Prozent senken.

Schon seit längerem wird über den Nutzen einer oralen Steroidtherapie zur Prävention neuer MS-Schübe diskutiert, aufgrund der befürchteten Nebenwirkungen einer Kortison-Dauertherapie gab es dazu aber kaum aussagekräftige Studien, hat Professor Volker Limmroth von der Neurologischen Klinik der Stadt Köln berichtet. Das hat sich inzwischen geändert. Der Neurologe nannte auf der Fortbildungsveranstaltung Neuro Update in Wiesbaden etwa eine Placebo-kontrollierte Studie mit 130 Patienten, die unter einer Therapie mit Interferon beta-1a weiterhin MS-Schübe hatten. Etwa die Hälfte von ihnen bekam zusätzlich 200 mg Methylprednisolon pro Tag, die anderen erhielten Placebo. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, wurde die Zusatzmedikation allerdings nur in Intervallen gegeben. Dabei bekamen die Patienten alle vier Wochen fünf Tage lang in Folge die Studienarznei.

Das überraschende Ergebnis: Nach zwei Jahren Therapie war die Schubrate in der Gruppe mit Interferon plus Steroid um 62 Prozent niedriger als mit Interferon plus Placebo (0,22 versus 0,59 Schübe pro Jahr), auch das T2-gewichtete Läsionsvolumen im MRT hatte unter der Steroidkombination deutlich stärker abgenommen. Die Knochendichte litt jedoch nicht unter der Steroidtherapie - sie blieb konstant.

Insgesamt sei die Intervalltherapie recht gut vertragen worden, sagte Limmroth. Bestätigt werde das Ergebnis inzwischen auch durch eine weitere US-Studie. Hier wurden 500 mg Methylprednisolon an drei Tagen pro Monat über bis zu vier Jahre geprüft, und zwar als Zusatztherapie bei Patienten mit Interferon beta-1a. In dieser Studie mit insgesamt 340 MS-Patienten war die Zahl der Schübe mit der Steroidkombi um 38 Prozent niedriger als mit Interferon alleine.

Schließlich habe auch die ACT-Studie mit 313 Patienten einen Hinweis auf den Nutzen einer Steroid-Zusatztherapie ergeben. "Diese Studien lassen keinen Zweifel, dass die Wirksamkeit von Interferon-Präparaten durch orales Kortison gesteigert werden kann", so Limmroth. Die Erkenntnisse sollten nun rasch bei der MS-Therapie berücksichtigt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »