Ärzte Zeitung online, 05.05.2010
Wenig
Sonne für die Mutter - höheres Risiko für
Multiple Sklerose beim Kind
MELBOURNE (ars). Wird es für werdende
Mütter bald die Empfehlung geben, im ersten Trimenon Vitamin D
einzunehmen, um bei den Kindern einer Multiplen Sklerose vorzubeugen?
Darüber spekulieren australische Forscher, die einen
Vitamin-D-Mangel in der Frühschwangerschaft als Risikofaktor
für diese Erkrankung ermittelt haben.
Schon länger ist bekannt: Je weiter man sich vom
Äquator weg bewegt, um so häufiger wird die Multiple
Sklerose. So nimmt auf der Nordhalbkugel die Prävalenz nach
Norden hin zu, auf der Südhalbkugel reziprok nach
Süden hin. Zusätzlich hat der Geburtsmonat einen
Einfluss: In Europa erkranken Menschen, die im Mai oder Juni zur Welt
kommen, gehäuft an MS.
In einer jetzt publizierten Studie haben Forscher aus
Melbourne herausgefunden, dass die UV-Einstrahlung im ersten
Schwangerschaftsdrittel entscheidend ist (BMJ online). Sie stellten eine
umgekehrt lineare Beziehung fest: Je weniger die werdende Mutter im
ersten Trimenon dem Sonnenlicht ausgesetzt war, um so
größer war die Wahrscheinlichkeit beim Kind, im
späteren Leben an MS zu erkranken.
So besteht in Australien ein Erkrankungsgipfel im November und
Dezember: Kinder, die in diesen frühen Sommermonaten zur Welt
kamen, hatten ein um 34 Prozent höheres MS-Risiko als Kinder,
die im Mai oder Juni geboren wurden. Deren erstes Trimenon fiel ja in
den australischen Hochsommer - in die Monate Januar und Februar.
Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler um
Professor Anne-Louise Ponsonby die Daten von 1524 MS-Patienten
ausgewertet, die zwischen 1920 und 1950 in Australien geboren worden
waren. Zudem hatten sie Werte für die Sonnenlichtexposition
zusammengetragen.
Als Grund, warum sich ein Vitamin-D-Mangel so
ungünstig auswirkt, vermuten die Forscher: Das Vitamin ist
für die Entwicklung des zentralen Nervensystems notwendig, zum
Beispiel gibt es Vitamin-D-Rezeptoren im Neuroepithel und in den
Subventrikeln. Ein Defizit könnte die Myelinisierung der
Nervenscheiden beeinträchtigen, die allerdings erst in der 29.
bis 39. Woche vor sich geht.
Bedeutsam könnte auch die immunmodulierende Wirkung
von Vitamin D sein: So besteht die Möglichkeit, dass ein
Mangel die Ausbildung der Immuntoleranz hemmt, die sich ja im ersten
Schwangerschaftsdrittel vollzieht. Das wiederum würde
Autoimmunprozesse begünstigen.

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