Ärzte Zeitung, 06.07.2010
Kommentar
Mehr Sonne, seltener MS?
Von Thomas Müller
Nach der Diagnose MS fragen viele Patienten, was sie denn selbst tun
können, um den Krankheitsverlauf zu mildern. Bisher konnten Ärzte hier
nur wenige Antworten geben, da weitgehend unklar ist, ob und wie der
Lebensstil die Erkrankung beeinflusst.
Man weiß etwa, dass
Rauchen den Verlauf verschlimmert, und man deswegen am besten damit
aufhört. Vielleicht kann man jetzt noch den Rat geben, öfter mal ein
kurzes Sonnenbad zu nehmen, um die Vitamin-D-Spiegel hoch zu halten,
denn erstmals gibt eine kleine Therapiestudie fundierte Hinweise auf
einen günstigen Effekt von Vitamin D bei MS. Das ist auch deswegen
interessant, weil immer wieder spekuliert wird, zu wenig Vitamin D
könnte das Bindeglied sein, das die zum Teil zehnfach höhere
MS-Inzidenz in den sonnenarmen nördlichen Breitengraden am ehesten
erklären kann.
In dieses Bild passt zudem, dass nach neuen Zahlen die MS-Inzidenz
in den nördlichen Industrieländern weiter zunimmt - allerdings
praktisch nur in urbanen Gebieten, nicht auf dem Land. Könnte es also
sein, dass die Zahl der MS-Kranken dort steigt, weil immer mehr
Menschen in dunklen Büros arbeiten und schon als Kind häufiger den
Computer als die Sonne sehen? Das lohnt sich jedenfalls, weiter zu
untersuchen.
Lesen Sie dazu auch:
Vitamin-D-Therapie senkt Schubrate bei MS

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