Ärzte Zeitung online, 08.10.2010

Spezielle Impfung könnte bald schon Multiple Sklerose stoppen

DRESDEN (mut). Forscher aus Dresden haben einen neuen Ansatz gegen Multiple Sklerose erfolgreich im Tierversuch getestet. Mit einer Art Impfung konnten sie eine MS-ähnliche Erkrankung bei Mäusen stoppen.

Spezielle Impfung könnte bald schon MS stoppen

Laufen die weiteren Tests gut, könnte es in 10 bis 15 Jahren eine Impfung gegen MS geben.

© Light Impression / fotolia

Wissenschaftler aus Dresden und Boston fanden heraus, dass bestimmte MS-Antigene eine Immuntoleranz gegen autoreaktive T-Zellen induzieren können. Sie impften unreife dendritische Zellen mit diesen Antigenen.

Dendritischen Zellen prozessieren und präsentieren entsprechende Antigene so, dass sie von T-Zellen gut erkannt werden. Während reife dendritische Zellen auf diese Weise eine starke Immunantwort gegen die Antigene auslösen können, führen unreife dendritische Zellen zu einer Toleranz der T-Zellen gegen die präsentierten Antigene.

Um den Ansatz zu testen, verwendeten die Forscher um Dr. Karsten Kretschmer ein Mausmodell, bei dem eine Impfung mit Myelinproteinen zu einer MS-ähnlichen Autoimmun-Enzephalomyelitis führt - mit vergleichbaren Symptomen wie bei MS. Die Forscher impften nun unreife dendritische Zellen der Mäuse mit einem körpereigenen Proteolipid-Protein-Peptid (PLP).

Das Ergebnis: Im Vergleich zu unbehandelten Mäusen gingen die Symptome der Tiere deutlich zurück, nach drei Wochen waren die Mäuse praktisch symptomfrei. Die Forscher erklären dies damit, dass sich durch die Impfung vermehrt regulatorische T-Zellen bildeten (PNAS online).

Bisherige Studien, in denen mit körpereigenen Proteinen versucht wurde, das Immunsystem lahmzulegen, seien misslungen. "Wir denken, dass wir den richtigen Trick gefunden haben." so Kretschmer.

Klappen weitere Versuche, könnte eine vorbeugende Impfung in 10 bis 15 Jahren für Menschen zur Verfügung stehen. Der nächste Schritt wäre eine Therapie für Patienten, die bereits MS haben.

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