Ärzte Zeitung online, 09.02.2011

Viel Sonne und Vitamin D schützen offenbar weniger vor Multipler Sklerose als gedacht

CANBERRA (mut). Viel Sonnenlicht und dadurch viel Vitamin D - das wird oft als Grund genannt, weshalb Multiple Sklerose (MS) in warmen Ländern seltener vorkommt als in kalten. Doch alleine mit diesen beiden Faktoren lassen sich die Unterschiede bei der MS-Inzidenz nicht erklären.

Viel Sonne und Vitamin D schützen offenbar weniger vor Multipler Sklerose als gedacht

Whitehaven Beach in Australien. Dort zu sein ist gut für die Seele, aber keine sichere MS-Prävention.

© sven brenner / fotolia.com

MS tritt in gemäßigten Breiten und polaren Region bekanntlich viel häufiger auf als in den Tropen und Subtropen. Als ein Grund gilt die höhere UV-Strahlung in den wärmeren Regionen. Sie führt zu höheren Serum-Vitamin-D-Werten. Und höhere Vitamin-D-Werte gingen in epidemiologischen Studien mit einer niedrigeren MS-Rate einher.

Doch so einfach lassen sich die Unterschiede bei der MS-Inzidenz zwischen den Breitengraden nicht erklären, berichten Forscher aus Canberra in Australien (Neurology 2011, 76; 540-548).

In einer Fall-Kontroll-Studie hatten sie sowohl Vitamin-D-Spiegel als auch die Sonnenexposition bei Patienten mit einem ersten MS-Schub (erstes demyelinisierendes Ereignis) und bei gesunden, gleichaltrigen Kontrollpersonen verglichen. Teilnehmer waren Australier, die zwischen dem 27-sten und 43-sten südlichen Breitengrad lebten.

Bei allen Teilnehmern wurden die Serumkonzentrationen von 25-Hydroxy-Vitamin-D gemessen. Die individuelle UV-Belastung in der Vergangenheit ermittelten die Forscher anhand eines Fragebogens sowie mit einem Test auf UV-bedingte Hautschäden.

Das Ergebnis: Wie erwartet war die kumulative Sonnenexposition bei Patienten mit einem ersten Schub geringer als bei den gesunden Kontrollen - und zwar um etwa zehn Prozent.

Auch waren die Vitamin-D-Serumwerte bei den Patienten im Schnitt etwas niedriger als bei den Gesunden (75,1 versus 80,4 nmol/l).

Mit diesen geringen Unterschieden ließ sich allerdings nicht erklären, weshalb die Inzidenz von Patienten mit einem ersten MS-Schub in Australien um mehr als den Faktor 4 differiert: So bekommen am 27. Breitengrad jährlich 2,1 von 100 .000 Australiern einen ersten Schub, 43. Breitengrad sind es dagegen 8,7.

Unterschiede bei der UV-Exposition und Vitamin-D-Werten könnten nach den Berechnungen der Forscher nur ein Drittel dieser Differenz erklären.

Weshalb Bewohner von tropischen und subtropischen Breiten so selten MS bekommen, das bleibt also weiterhin ein Rätsel.

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