Ärzte Zeitung online, 24.05.2011

"Schließung des XCell-Centers ein Sieg für die Patienten"

NEU-ISENBURG (eb). Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Parkinson Gesellschaft begrüßen die Entscheidung zur gerichtlich angeordneten Schließung des XCell-Centers in Düsseldorf.

Seit 2009 florierte das Geschäft mit der Hoffnung. In dieser Zeit lockte das XCell-Center mit wissenschaftlich haltlosen Angeboten Schwerkranke und behinderte Menschen unter anderem mit Multipler Sklerose, Querschnittslähmung oder der Parkinson-Krankheit aus der ganzen Welt in seine Düsseldorfer Klinik, wie es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie heißt. Dort seien sie einer teuren, nutzlosen und risikoreichen Behandlung mit Stammzellen unterzogen worden.

Ende April wurde die Geschäftsgrundlage entzogen

Eine Untersagungsverfügung der Kölner Bezirksregierung in Absprache mit dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium verbietet der Klink - wie berichtet - seit 26. April die Abgabe sämtlicher stammzellhaltiger Knochenmarkpräparate und entzieht dem Unternehmen damit seine Geschäftsgrundlage.

Das nun erreichte Behandlungsende begrüßen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) sehr: "Dies bedeutet einen Sieg für die Patientensicherheit", wird Professor Wolfgang Oertel, Vorsitzender der DGN und Vorstandsmitglied der DPG in der Mitteilung der DGN zitiert.

"Die Schließung schützt auch den guten Ruf der Neurologie in Deutschland, die weltweit unter dem Gebaren des XCell-Centers gelitten hat." Beide Organisationen hatten seit Juni 2009 die Öffentlichkeit auf die Gefahren derartiger ungeprüfter Behandlungsmaßnahmen hingewiesen, waren mit den Behörden in Kontakt getreten und hatten das XCell-Center zu fachlichen Stellungnahmen aufgefordert.

Die Warnung wurde auch in Englisch publiziert, damit die massiv im Ausland - wo der angebotene Eingriff nicht erlaubt ist - eingeworbenen Patienten des XCell-Centers ebenfalls informiert waren, so die DGN.

Die niederländische Firma XCell bot in einer Klinik in Düsseldorf ihre vermeintlich innovative Stammzelltherapie unter dem Deckmantel der erlaubten Therapieversuche an und behandelte dort nach eigenen Angaben mehr als 3500 Patienten.

Durch Injektionen körpereigener, zuvor aus dem Knochenmark gewonnener Stammzellen ins Gehirn, Rückenmark oder ins Herz sollten die Patienten von sonst unheilbaren Leiden wie Parkinson, Alzheimer oder Querschnittslähmung geheilt werden, wohlweislich ohne Garantie. Wie es in der DGN-Mitteilung heißt, kosteten diese Behandlungen bis zu 26 000 Euro. Im Sommer 2010 erlag ein eineinhalbjähriger Junge nach einer Zellinjektion ins Gehirn einer Hirnblutung.

Warnungen gab es bereits im Herbst 2009

Bald nachdem XCell in Deutschland seine Behandlungen angeboten hatte, wurden dessen Patienten in neurologischen Praxen vorstellig. Verzweifelte Patienten, denen es nach der teuren XCell-Behandlung nicht besser oder sogar noch schlechter ging. Die DGN erinnert daran, dass sie mit der DPG in einer gemeinsamen Presseerklärung im Juni 2009 vor den Gefahren einer Parkinson-Therapie mit adulten Stammzellen warnten.

"Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit, keinen wissenschaftlichen Nachweis der Sicherheit und Verträglichkeit, und es gibt keine wissenschaftlich begründete Abwägung von Nutzen und Risiken", erklärte Professor Wolfgang Oertel bereits im September 2009.

Nach dem ersten Todesfall am XCell-Center hatten die Gesellschaften sich in einer gemeinsamen Erklärung für die Möglichkeit eines schnellen Moratoriums bei gefährlichen, ungeprüften Therapieverfahren ausgesprochen. Auf diese Weise stehe die Sicherheit der Patienten an vorderster Stelle, und nicht juristische Prozesse, die sich über Monate und Jahre hinziehen können.

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