Ärzte Zeitung online, 28.12.2011

Multiple Sklerose: Algorithmus für Läsionen

Patienten mit Multipler Sklerose entwickeln krankheitstypische Veränderungen im Gehirn. Mit einem neuen Algorithmus können in Bildern vom Gehirn diese Läsionen jetzt automatisch aufgespürt werden.

Multiple Sklerose: Algorithmus für ein Screening auf MS-typische Läsionen im Hirn

Gehirn mit Läsionen rot durch MS: Ein neuer Algorithmus hilft beim aufspüren.

© Okapia

MÜNCHEN (eb). Forscher des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) haben einen Algorithmus entwickelt, mit dem MRT-Bilder von MS-Patienten automatisch nach Läsionen gescreent werden können (NeuroImage 2011; online 18. November).

"Unser Ansatz spart nicht nur Kosten und Zeit, sondern ist außerdem genauer als die herkömmliche manuelle Auswertung", erklärt Studienleiter Privatdozent Dr. Mark Mühlau, Oberarzt in der Neurologischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München in einer Mitteilung des KKNMS.

Der Algorithmus eigne sich vornehmlich für die Grundlagenforschung und klinische Studien, weil hier in der Regel viele MRT-Bilder und demnach große Datenmengen ausgewertet werden müssen.

Forscher interessiert besonders das Läsionsvolumen

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist wichtiger Bestandteil bei der Diagnose von Multipler Sklerose (MS). Damit lassen sich die für MS typischen T2-hyperintensen Läsionen in der weißen Hirnsubstanz aufspüren.

Ihre Zahl hängt stark mit verschiedenen MS-Symptomen, dem Behinderungsgrad und damit dem weiteren Krankheitsverlauf zusammen. In der Grundlagenforschung ist das Läsionsvolumen daher von besonderem Interesse.

Das Studienergebnis hat gezeigt, dass die automatische Bildsegmentation dem manuellen Verfahren in Hinblick auf Sensitivität, Spezifität und Genauigkeit in nichts nachsteht, teilt das KKNMS mit.

"Wir gehen sogar so weit zu sagen, dass unser Algorithmus der manuellen Auswertung überlegen ist, da es keine Effekte gibt, die allein auf den jeweiligen auswertenden Radiologen zurückzuführen sind", meint Mühlau.

Für Kohortenstudie werden 1000 MRT-Bilder analysiert

Für das KKNMS ist die Forschungsarbeit von Mühlaus Team von unschätzbarem Wert, da für das größte Projekt des Netzwerks, die Kohortenstudie, rund 1000 MRT-Aufnahmen von Patienten mit früher MS oder klinisch isoliertem Syndrom (KIS) ausgewertet werden müssen.

"Da erspart uns ein solcher Algorithmus viel Personal- und Zeitaufwand", wird Professor Bernhard Hemmer, Leiter des Forschungsverbunds CONTROLMS, in dem die Kohortenstudie angesiedelt ist, in der Mitteilung zitiert.

Die Studie wurde im Rahmen des KKNMS (Forschungsverbund CONTROLMS) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

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