Ärzte Zeitung, 24.10.2012

Multiple Sklerose

Neuer Marker in Sicht

Forscher haben im Lumballiquor neue Micro-RNA entdeckt, die krankheitsspezifisch für Multiple Sklerose sind. Künftig könnten sie als Marker dienen.

HANNOVER (eb). Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben eine neue Methode zum Nachweis von Multipler Sklerose (MS) sowie zur Unterscheidung verschiedener Verlaufsformen dieser Erkrankung ausfindig gemacht.

Sie machen ihre Ergebnisse an einer Studie mit mehr als 100 Teilnehmern fest, die Daten müssen noch in einer zweiten Untersuchung mit mehr als 1.000 Patienten überprüft werden (Neurology 2012, online 17. Oktober).

Beim Verdacht auf Multiple Sklerose - die chronisch-entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks - führen Ärzte eine Lumbalpunktion durch. Die Forscher konnten nun nachweisen, dass sich in dieser Flüssigkeit krankheitsspezifische Micro-RNAs befinden.

Das sind kurze Ribonukleinsäureketten, die Entwicklung, Vermehrung und Funktion von Zellen steuern können.

Diese Micro-RNAs zeigen an, ob die Erkrankung vorliegt oder nicht. Darüber hinaus ist anhand von verschiedenen Mustern, die diese Micro-RNAs bilden, erkennbar, welche Verlaufsform der Erkrankung vorliegt.

"Unsere Erkenntnisse befinden sich im Anfangsstadium, werden aber möglicherweise helfen, die Erkrankung zu diagnostizieren und den Verlauf zu prognostizieren", sagt Professor Thomas Thum von der MHH.

"Wir hoffen, dass die Ergebnisse auch Einsichten in die Veränderungen der Erbinformationen sowie die Entstehung und Entwicklung der MS gewähren und, dass wir Faktoren finden, die beim Übergang von der schubförmigen zur sekundär-chronischen MS eine Rolle spielen", sagt Dr. Aiden Haghikia von der Neurologischen Klinik der RUB. In Deutschland leben schätzungsweise 130.000 MS-Kranke.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »