Ärzte Zeitung, 15.09.2006

Atypisches Antipsychotikum erweitert Therapie

Sertindol bessert bei Schizophrenie auch kognitive Fähigkeiten / Risiko für extrapyramidale Störungen ist gering

FRANKFURT AM MAIN (djb). Das atypische Antipsychotikum Sertindol lindert bei schizophrenen Patienten gut die Positiv- und Negativsymptome und bessert die Kognition. Die Substanz wirkt nicht sedierend. Und das Risiko für extrapyramidale Störungen ist nach Studiendaten gering.

Sertindol (Serdolect®) kann seit kurzem wieder zur Schizophrenie-Therapie verordnet werden. Kardiale Sicherheitsbedenken hatten 1998 zur zeitweisen Marktrücknahme von der Substanz und 2002 zu einer eingeschränkten Zulassung für Patienten in klinischen Studien geführt. In vielen Studien hat sich das Medikament jedoch als sicher erwiesen und wurde daher erneut zugelassen. Darauf hat der Psychiater Professor Hans-Peter Volz aus Werneck hingewiesen.

    Nach positiven Ergebnissen zur Sicherheit wurde Substanz neu zugelassen.
   

So wurden in einer Doppelblindstudie mit 186 Patienten Wirksamkeit und Sicherheit von Sertindol (12 bis 24 mg pro Tag) im Vergleich zu Risperidon (4 bis 10 mg pro Tag) untersucht. In beiden Gruppen wurden die Symptome während der zwölfwöchigen Therapie ähnlich gut gelindert.

Der Gesamtwert auf der Skala PANSS (Positive and Negative Syndrome Scale, maximal 210 Punkte) sank um 29 Punkte mit Sertindol und um 26 Punkte mit Risperidon, berichtete Volz bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lundbeck. Extrapyramidale Störungen kamen bei Sertindol mit 19 versus 28 Prozent seltener vor als bei Risperidon.

In kognitiven Tests, etwa zur Reaktionszeit oder beim Abruf von Ziffern, schnitten mit Sertindol behandelte Patienten in Studien zudem signifikant besser ab als mit Haloperidol behandelte, sagte Volz. Mit dem atypischen Antipsychotikum lag die mittlere Reaktionszeit nach zwölf Wochen Therapie etwa 25 Millisekunden über dem Ausgangswert, mit Haloperidol jedoch 200 Millisekunden darunter. Kognitiven Beeinträchtigungen bei Schizophrenie können die Lebensqualität der Patienten stark reduzieren.

Die optimale Dosis der Substanz liegt bei 16 mg pro Tag.

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