Ärzte Zeitung online, 11.08.2008

Psychisch Kranke am besten auch auf Herz und Nieren untersuchen!

MÜNCHEN (wst). Schizophrenie-Kranke haben bekanntlich ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, und zwar vermutlich durch die Krankheit selbst, als auch durch unerwünschte Wirkungen von Medikamenten. Bei Verlaufskontrollen sollten Ärzte deshalb immer auch kardiovaskuläre Risikofaktoren im Auge zu behalten.

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Epidemiologischen Studien zufolge haben Patienten mit Schizophrenie oder schweren bipolaren Störungen im Vergleich zur Normalbevölkerung eine im Schnitt um 25 Jahre verkürzte Lebenserwartung. Darauf hat der Psychiater Professor Christoph Correll aus New York hingewiesen.

Außer der erhöhten Suizidrate ist es vor allem das ungünstige kardiovaskuläre Risikoprofil, dass diesen Patienten Lebensjahre kostet, sagte Correll auf einer von Bristol-Myers Squibb und Otsuka unterstützten Veranstaltung in München.

Im Vergleich mit gleichalten gesunden Menschen ist bei Patienten mit bipolaren Störungen oder Schizophrenie die Rate für Übergewicht und Diabetes um das eineinhalb bis zweifache erhöht. Solche Patienten rauchen zudem doppelt so oft, haben zwei bis dreimal häufiger eine Hypertonie, fünfmal häufiger eine Dyslipidämie sowie zwei bis dreimal häufiger ein Metabolisches Syndrom, sagte Correll. Gründe dafür seien möglicherweise eine gemeinsame Disposition von psychischen und kardiovaskulären Krankheiten sowie ein überdurchschnittlich riskanter Lebensstil.

Auch Psychopharmaka könnten sich ungünstig auf das Risikoprofil auswirken. So sind etwa deutliche Gewichtsanstiege gerade auch unter modernen atypischen Antipsychotika mit ansonstem günstigem Nutzen-Risiko-Profil bekannt.

Correll plädierte deshalb für ein engmaschiges Screening nach kardiovaskulären Risikofaktoren, wenn Patienten neu auf Psychopharma eingestellt werden: So sollte etwa das Gewicht bis zur zwölften Therapiewoche monatlich und danach halbjährlich kontrolliert werden. Der Hüftumfang ist jährlich zu messen. Blutdruck, Nüchternglukose und der Lipidstatus sind bei Therapiebeginn, nach zwölf Wochen und dann jährlich zu kontrollieren.

Bei Patienten mit Neigung zu Übergewicht oder solchen mit initialer Gewichtszunahme unter der Therapie sollten beim Einsatz atypischer Substanzen vorzugsweise eher gewichtsneutrale Alternativen wie Aripiprazol (Abilify®) bevorzugt werden, sagte Correll. Denn je eher und stärker ein Patient infolge eines Psychopharmakons an Gewicht zunimmt, desto schwieriger sei es, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

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