Ärzte Zeitung online, 30.04.2009

Forscher kommen Ursachen für Schizophrenie näher

BONN (dpa). Forscher sind bei der Ursachen-Erforschung für Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankungen einen deutlichen Schritt weiter gekommen. Bisher sei bekannt gewesen, dass diese Erkrankungen hochgradig erblich bedingt sind, seit einigen Monaten sei auch eine wichtige Genvariante erkannt.

Nun sei neu erforscht, dass diese Genvariante dazu führe, dass bestimmte Bereiche im Gehirn nicht korrekt zusammenarbeiten könnten, berichteten Wissenschaftler der Universitäten in Bonn und Heidelberg sowie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (Mannheim). Die Ergebnisse sollen in dem renommierten Wissenschaftsmagazin "Science" (324, 2009, 605) vom Freitag veröffentlicht werden (Fachartikelnummer: 10.1126/science.1167768).

"Diese Genvariante, die wir seit letzten Sommer kennen, stört die Kommunikation in einer wichtigen Hirnregion, die am Arbeitsgedächtnis beteiligt ist oder auch für Handlungsfähigkeit oder Konfliktsteuerung wichtig ist", erklärte Professor Andreas Meyer-Lindenberg am Donnerstag auf Anfrage. 115 gesunde Patienten, von denen die Hälfte dieses bestimmte Gen in sich tragen, wurden mittels Magnetresonanz-Tomografen untersucht. Damit sei sichtbar gemacht worden, wie die verschiedenen Hirnareale zusammenarbeiten.

Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden jeweils an einer manisch-depressiven Erkrankung oder an Schizophrenie - "schrecklichen Erkrankungen", wie der Mannheimer Forscher betonte. Sie seien zu 80 Prozent genetisch bedingt. Auch Umwelteinflüsse, etwa ob man auf dem Land oder in der Stadt lebe, und möglicherweise auch individuelle Erlebnisse, spielten eine Rolle beim Ausbruch der Krankheiten.

Die neuen Erkenntnisse bedeuteten einen wichtigen Fortschritt. Er sei optimistisch, dass auch bald entdeckt werde, wie dieses Gen auf der molekularen Ebene wirke. Dann könnte auch die Entwicklung neuer Medikamente beginnen, auf die die Medizin seit Jahrzehnten warte.

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