Ärzte Zeitung, 26.11.2008

Schläft Mutter gut, ist der Nachwuchs gut drauf

300 Jugendliche befragt / Schlafverhalten der Mutter wirkt auf den Nachwuchs / Schlaf des Vaters ohne Effekt

KASSEL (hbr). Der Schlaf von Teenagern und ihr Wohlbefinden leiden darunter, wenn die Mutter schlecht schläft. Ob der Vater entspannt schlummert, ist dagegen für den Nachwuchs völlig unwichtig.

"Das Schlafverhalten der Mütter wirkt sich indirekt über den Erziehungsstil auf die Jugendlichen aus", hat Professor Serge Brand aus Basel beim Schlafkongress in Kassel berichtet. Ermittelt hat er das in einer Studie, an der sich 293 Schweizer Gymnasiasten beteiligten.

Die Jugendlichen füllten Fragebögen zum eigenen Befinden und zum Erziehungs- und Schlafverhalten ihrer Eltern aus. Dabei mussten sie Aussagen wie "Meine Mutter hat Einschlafschwierigkeiten" oder "Mein Vater kann sich tagsüber schlecht konzentrieren" auf einer fünfstufigen Ratingskala beurteilen. Zusätzlich führten sie sieben Tage und Nächte lang ein eigenes Schlaftagebuch.

Eine Wechselbeziehung zwischen dem Schlaf der Kinder und dem des Vaters ließ sich in der Auswertung nicht nachweisen. Aber der Schlaf der Jugendlichen korrelierte hoch signifikant mit dem Schlaf der Mütter: "Je besser die Mutter schläft, umso besser schlafen auch die Jugendlichen", sagte Brand.

Diese Beziehung ist allerdings indirekt. Das verbindende Element dazwischen ist der Erziehungsstil. Er wird vom mütterlichen Schlaf beeinflusst. Denn je besser die Mutter selbst schlief, umso höher war auch die Qualität ihrer Erziehung - also mit viel Lob, Unterstützung, zuverlässig klarem Verhalten und wenig Einschränkungen für die Kinder.

Der Nachwuchs schlummerte umso ausgeglichener, je günstiger der Erziehungsstil ausfiel. Und je besser die Jugendlichen schliefen, umso weniger Ängste und Depressionen wurden bei ihnen registriert. Umgekehrt entwickelten sie bei einem ungünstigen Erziehungsverhalten eher depressive Symptome, betonte Brand.

"Die Jugendlichen reagieren extrem sensitiv auf den Erziehungsstil ihrer Mutter", fasste er zusammen. Angesichts des Alters der Studienteilnehmer ist das überraschend: Es betrug durchschnittlich 18,5 Jahre.

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