Ärzte Zeitung, 03.10.2011

Dopamin-Agonisten stellen die Beine ruhig

Dopamin-Agonisten stellen die Beine ruhig

Wenn es in den Beinen kribbelt und brennt, wird die Nacht zum Tag.

© phanie / Your_Photo_Today

Das Restless-Legs- Syndrom (RLS) lässt sich mit dopaminergen Arzneien inzwischen gut behandeln, auch eine Augmentation ist weitgehend vermeidbar. Allerdings wird es immer noch zu selten erkannt.

Von Thomas Müller

WIESBADEN. Es zieht, kribbelt und brennt in den Beinen, man findet kaum noch Schlaf: Das Restless-Legs-Syndrom kann ziemlich quälend sein. In Deutschland benötigen etwa 2 Millionen Menschen eine medikamentöse RLS-Therapie, hat Professor Wolfgang Oertel vom Uniklinikum Marburg berichtet.

Obwohl es mittlerweile viele wirksame Therapien gebe, werde das RLS noch immer unter- und fehldiagnostiziert. Oertel zitierte auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) eine britische Studie, wonach Allgemeinärzte nur sieben Prozent als RLS-Patienten erkennen.

Eine rechtzeitige Diagnose sei aber wichtig, um den Patienten Leid zu ersparen, denn inzwischen ließen sich RLS-Kranke gut behandeln. So stehen Ärzten mit L-Dopa, Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin vier dopaminerge Wirkstoffe zur Verfügung.

Ein Vorteil gerade von Dopamin-Agonisten, die ja im Vergleich zu L-Dopa eine deutlich längere Halbwertszeit haben, sei eine niedrigere Inzidenz von Augmentationen.

Durch dieses Phänomen, das häufig bei einer L-Dopa-Therapie beobachtet wird, setzen die Symptome im Tagesverlauf und in Ruheperioden schneller ein und weiten sich auf andere Körperbereiche aus.

Restless Legs – Tipp zur Diagnostik

Die Diagnose eines RLS sei nicht schwierig, so Professor Wolfgang Oertel beim DGN-Kongress in Wiesbaden. Bei Patienten, die über Schlafstörungen wegen Unruhe und Bewegungsdrang berichten, seien für die Anamnese vier Fragen entscheidend:

  • Spüren Sie Unruhe oder einen Bewegungsdrang in den Beinen?
  • Haben Sie häufig Missempfindungen in den Beinen wie Brennen, Ziehen, Stechen, Kribbeln, Jucken oder Schmerzen?
  • Gehen die Beschwerden teilweise oder vollständig zurück, während Sie sich bewegen?
  • Treten die Beschwerden typischerweise nur in Ruhe auf und vor allem oder ausschließlich abends und nachts?

Beantworten die Patienten diese Fragen mit Ja, so könne man schon fast sicher von RLS ausgehen. Schlafen sie dann auch noch plötzlich ganz gut, nachdem man für abends einmal L-Dopa verordnet hat, so sei die Diagnose fast schon gesichert.

Vor einer dauerhaften dopaminergen Therapie müssten jedoch erst andere Ursachen der Beschwerden wie ein Eisenmangel ausgeschlossen werden, sagte Oertel.

Auch kann die Intensität der Beschwerden wieder zunehmen. Oertel nannte Daten einer Studie mit Pramipexol, bei der nach sechs Monaten lediglich 8,5 Prozent der Patienten eine Augmentation hatten, 6 Prozent waren es mit Placebo.

Die spannende Frage sei nun, ob dieser Anteil mit der Dauer der Therapie zunehme. Hier gibt es Daten eine Studie mit Rotigotin, das als Pflaster angewandt wird.

Die Studie mit knapp 300 RLS-Patienten wurde nach einer Doppelblindphase offen weitergeführt. Nach fünf Jahren unter Rotigotin seien die RLS-Beschwerden konstant niedrig geblieben.

Und eine Augmentation sei in dieser Zeit nur bei etwa 5 Prozent der Patienten aufgetreten. Oertel empfahl daher bei einer Augmentation unter L-Dopa den Wechsel auf einen Dopamin-Agonisten.

Ob Patienten, wenn sie einmal eine Augmentation bekommen haben, schlechter auf einen Dopamin-Agonisten ansprechen, als wenn sie von Anfang an einen solchen bekommen hätten, lasse sich nach den bisherigen Daten aber nicht sagen.

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