Ärzte Zeitung, 03.12.2011

Hilfe für Kinder mit Schlafstörungen

Mit neuen Trainingsprogrammen lassen sich Schlafstörungen bei Kindern deutlich bessern. Ein Programm ist für Kinder von 5 bis 10 Jahren und ihre Eltern konzipiert, ein weiteres nur für die Eltern jüngerer Kinder.

Von Simone Reisdorf

Programme für Kinder mit Schlafstörungen

"Mama, ich kann nicht einschlafen!" - Das Trainingsprogramm KiSS hilft betroffenen Kindern.

© Renata Osinska / fotolia.com

MANNHEIM. Etwa jedes dritte Kind hat Schlafstörungen. Besonders wenn die Schlafprobleme über längere Zeit anhalten, kann das Familien stark belasten. Abhilfe können die Trainingsprogramme KiSS und Mini-KiSS für Familien schaffen - teils sogar online.

Das multimodale Programm KiSS wurde von Forschern um die Professoren Dr. Angelika A. Schlarb und Dr. Martin Hautzinger von der Universität Tübingen entwickelt; es wird fünf- bis zehnjährigen Kindern und ihren Familien im Raum Würzburg angeboten. Dazu gehören sechs 100-minütige Sitzungen.

"Mit den Eltern arbeiten wir eher verhaltenstherapeutisch, mit den Kindern imaginativ", erläuterte die Würzburger Psychologin Barbara Schwerdtle auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Unterstützt werden die Kinder von dem Therapie-Tier Kalimba, einem Plüschleopard "aus dem Zauberland", mit dem sie Entspannung und autosuggestive Maßnahmen erlernen.

Mütter werden seltener aufgeweckt

In einer beim Kongress vorgestellten Stichprobe von 38 Familien hatten sich die Schlafstörungen der Kinder und Mütter schon nach drei Monaten statistisch signifikant verbessert.

"Dieser Effekt war auch nach 6 und 12 Monaten noch nachweisbar, und dies ist umso bemerkenswerter, als die Schlafeffizienz mit gut 92 Prozent schon vor dem Training recht hoch war", betonte Schwerdtle.

Trotzdem hätten die Mütter von den wenigen täglich hinzugewonnenen Schlafminuten profitiert: Sie bedeuteten weniger Aufweckreaktionen (Arousals) und weniger subjektiv empfundenen Stress.

Speziell für Eltern von Klein- und Kindergartenkindern im Alter von einem halben Jahr bis vier Jahre gibt es außerdem das Programm Mini-KiSS. "Hier arbeiten wir nur mit den Eltern", erläuterte Schlarb.

Online-Version des Programms

Auf dem DGSM-Kongress stellte sie die Online-Variante von Mini-KiSS vor, die bis zu 100 Familien außerhalb des Raums Würzburg und Tübingen die Teilnahme ermöglichen soll.

"Erste Erfahrungen zeigen, dass 70 bis 80 Prozent der Eltern die Lerninhalte von ‚Mini-KiSS online‘ und deren Übertragbarkeit auf ihre häusliche Situation als positiv bewerten", berichtete Schlarb.

Von 52 Familien hatten zwar nur 28 die Studie beendet und den Abschlussfragebogen ausgefüllt; die Drop-Outs wurden als "nicht verbessert" gewertet.

Trotzdem besserte sich das Schlafverhalten der Kinder in der Gesamtgruppe - nach Einschätzung der Eltern - von durchschnittlich 7,43 auf 3,39 in einer elfstufigen Skala (10 = sehr problematisch, 0 = völlig normal).

www.uni-tuebingen.de, "KiSS" in Suchmaske eingeben"

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