Ärzte Zeitung, 23.10.2012

Insomnie

Müdigkeit kann teuer werden

Ein unausgeschlafener Mitarbeiter kostet den Arbeitgeber einiges. In einer Studie stieg bei Angestellten mit Schlafstörungen das Risiko kostspieliger Fehler. Die Autoren fordern ein Insomnie-Screening.

Von Elke Oberhofer

Insomnie: Müde Mitarbeiter kommen den Arbeitgeber teuer

In einer Studie waren 7 Prozent aller Unfälle und Fehler am Arbeitsplatz durch Schlafmangel verursacht.

© granata68 / fotolia.com

BOSTON. Wie aus Daten des America Insomnia Survey (AIS) hervorgeht, waren innerhalb eines Jahres mehr als 7 Prozent aller Unfälle und Fehler am Arbeitsplatz, bei denen Kosten in Höhe von mindestens 500 Dollar entstanden, durch mangelnden Schlaf verursacht (Arch Gen Psychiatry 2012; 69: 1054-1063).

Bei den Unfällen zählten nur materielle Schäden und Arbeitsunterbrechungen; Verletzungen und nachfolgende Behinderungen waren von der Kostenrechnung ausgeschlossen. Das Risiko erhöhte sich dadurch um fast das Eineinhalbfache.

Wer wegen Unausgeschlafenheit pfuschte, verursachte mit durchschnittlich 32.000 Dollar zudem deutlich höhere Kosten als Kollegen, die andere Gründe für den Fehler angaben (22.000 Dollar).

Insgesamt kosteten insomniebedingte Zwischenfälle fast ein Viertel des Gesamtbetrags für von Mitarbeitern verursachte Fehler und Unfälle.

Die Forscher um Dr. Victoria Shahly von der Harvard Medical School in Boston hatten Fragebögen von 5000 Betroffenen ausgewertet. Diese litten unter Ein- oder Durchschlafproblemen, wachten zu früh auf oder klagten über wenig erholsamen Schlaf.

Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes, Atemwegserkrankungen, chronische Schmerzen oder Depressionen hatte man als Unfallursache ausgeschlossen.

Allerdings waren drei chronische Krankheitsbilder signifikant mit Unfällen am Arbeitsplatz vergesellschaftet. Das waren: neuropathischer Schmerz, Schlafapnoe und nichtdepressive psychische Störungen.

Fehler am Arbeitsplatz kamen in der Untersuchung deutlich häufiger vor als Unfälle und kosteten im Schnitt auch mehr. Bei getrennter Betrachtung schienen die Schlafstörungen vor allem für die durch Fehler entstandenen Kosten verantwortlich zu sein. Diese lagen für den Einzelfall im Schnitt bei 26.000 Dollar (gegenüber 8000 Dollar für Unfälle).

Wie Shahly und ihre Kollegen in ihrer Publikation betonen, sind die Ergebnisse für alle Altersgruppen und alle Bildungsniveaus nahezu gleich, auch im Geschlechtervergleich gibt es kaum Unterschiede.

Die Autoren fordern daher ein allgemeines arbeitsplatzbezogenes Insomniescreening. Damit sollen nicht nur Unfall- und Fehlerquoten reduziert werden, sondern auch krankheitsbedingte Fehlzeiten, Leistungsabfälle und Verletzungen.

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