Ärzte Zeitung, 20.01.2004

Kinder suchtkranker Eltern sollen besser betreut werden

Drogenbeauftragte und Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geben Eckpunktepapier heraus / Kooperation zwischen Schule und Ärzten gefordert

BERLIN (con). Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marion Caspers-Merk (SPD) wollen eine bessere Betreuung von Kindern suchtkranker Eltern erreichen. Deshalb haben sie ein Eckpunktepapier mit Empfehlungen herausgegeben.

"Suchtkranke Eltern sind bei uns immer noch ein Tabuthema. Das Schweigen über Suchterkrankungen und die Auswirkungen auf Familien und Kinder muß gebrochen werden", sagte Caspers-Merk. In Deutschland wachsen nach Angaben der DHS über 2,5 Millionen Kinder mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf.

"Diese Kinder leben mit einem erhöhten Risiko, selbst suchtkrank zu werden", heißt es in einer Mitteilung der Drogenbeauftragten. Der Arzt und DHS-Vorsitzende Professor Dr. Jobst Böning pflichtet bei: "Diese Kinder sind massiv gefährdet, ähnlich wie ihre Eltern zu reagieren, deshalb sind Interventionen notwendig, um einen wieder in die Sucht führenden Kreislauf zu verhindern." In den zehn Eckpunkten heißt es unter anderem:

  • Die Kooperation zwischen Suchthilfe, Kinder- und Jugendhilfe und den medizinischen Diensten muß verbessert werden. Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen sollen zusammenarbeiten, damit betroffene Kinder schneller erkannt und besser versorgt werden können.
  • Die Öffentlichkeit muß über die Auswirkungen von Suchterkrankungen auf Familien informiert werden. Nur eine sensibilisierte Öffentlichkeit ebne den Kindern den Weg zu Hilfsangeboten.
  • Das Thema Suchterkrankungen muß in die pädagogische, psychologische und medizinische Ausbildung aufgenommen werden. Nur so könne das Bewußtsein für die Probleme Kinder suchtkranker Eltern geschärft werden.

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