Ärzte Zeitung, 12.05.2004

Tendenz zu Alkoholexzessen bei Jugendlichen stark ausgeprägt

Alarmierende Daten aus dem Gesundheitsreport 2004 der Gmünder Ersatzkasse / Extrem hohes Alkoholrisiko bei arbeitslosen Männern

BERLIN (vn/tg). Forscher schlagen Alarm. Gesundheitsstörungen durch Alkohol sind in den vergangenen zehn Jahren in erschreckendem Ausmaß gestiegen. In dieser Zeit hat sich die Zahl behandlungsbedürftiger männlicher Alkoholiker verdoppelt.

Wie das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) jetzt für den "Gesundheitsreport 2004" der Gmündener Ersatzkasse (GEK) ermittelte, bildet die Leit-Diagnose "Psychische Verhaltensstörung durch Alkohol" bei Männern bereits den zweithäufigsten Anlaß für eine Krankenhausbehandlung.

Das Institut stützt seine Studie auf anonymisierte GEK-Daten von insgesamt 2,1 Millionen Behandlungsfällen, die auch für die Gesamtsituation in der gesetzlichen Krankenversicherung Relevanz haben. Danach hat sich die Zahl der wegen Alkoholmißbrauchs in den letzten zehn Jahren im Krankenhaus behandelten Männer nahezu verdoppelt. Sechsmal so hoch wie im Durchschnitt ist die Behandlungshäufigkeit in der Gruppe der arbeitslosen Männer.

Besonders alarmierend ist laut Studie die Tendenz zu Alkoholexzessen bei Jugendlichen. Hier haben sich seit 1990 bei den 15- bis 19jährigen Fällen, die im Krankenhaus enden, mehr als verdoppelt - bei jungen Frauen in diesem Alter sogar verdreifacht. Die Studie bestätigt damit Erkenntnisse aus dem kürzlich vorgelegten Drogenbericht der Bundesregierung.

Am gefährdetsten ist offenbar die Gruppe der 45- bis 49jährigen. 55 von 10 000 Versicherten landen mit Alkoholproblemen im Krankenhaus, bei den Frauen sind es immerhin 21 von 10 000. "Konsequenz aus dieser Problemlage kann", so GEK-Vorstandsvorsitzender Dieter Hebel, "nur eine gezielte und diskrete Aufklärung der Risikogruppen sein."

Besonders Jugendlichen müsse man bewußt machen, daß Blausein keinen Kultstatus habe. Erschreckend sei aber auch die hohe Rückfallquote nach einem Entzug. Deshalb komme es besonders darauf an, eine lückenlose Überleitung von einer stationären Entgiftung in die Rehabilitation und ambulante Weiterbehandlung zu erreichen. Dies sei heute leider vielfach noch nicht der Fall.

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