Ärzte Zeitung, 18.05.2005

Unionsexperten wollen Zigaretten generell verbieten

CDU/CSU-Fraktion widerspricht eigenen Kollegen / Verbraucherministerin stellt Liste mit Zusatzstoffen ins Internet

HAMBURG (ddp). Zwei Gesundheitsexperten der Union haben gestern ein generelles Verbot von Zigaretten gefordert. Ein Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dagegen lehnte ein solches Verbot als "Unsinn" ab.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Volksgesundheit im EU-Parlament, Karl-Heinz Florenz (CDU), sagte gestern in der "Bild"-Zeitung: "Die Zigaretten, wie sie heute angeboten werden, sind gemeingefährliche Mordinstrumente und müssen sofort vom Markt." Florenz begründete dies mit krebserregenden Zusatzstoffen, die den Zigaretten von den Herstellern beigemengt würden.

    Ministerin erwägt ein Verbot von Zusatzstoffen.
   

Die drogenpolitische Sprecherin der Unions-Fraktion im Bundestag, Gerlinde Kaupa (CSU), unterstützte den Vorschlag ihres Kollegen Florenz. "Man fragt sich, warum wir uns mit all den krebserzeugenden Zusatzstoffen aufhalten und nicht gleich Zigaretten insgesamt verbieten", sagte sie ebenfalls in "Bild".

Dagegen sprach sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen ein generelles Verbot von Zigaretten aus. Der Vorsitzende der Fraktionsarbeitsgruppe Gesundheit und Soziales, Andreas Storm (CDU), sagte gestern in Berlin auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp, die Forderung nach einem generellen Rauchverbot sei "Unsinn" und nicht Auffassung der Fraktion.

Hintergrund der Debatte ist ein Vorstoß von Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), die gestern eine Liste mit den bei der Herstellung von Zigaretten verwendeten Zusatzstoffen auf die Ministeriumsseite ins Internet gestellt hat.

Die EU-Mitgliedstaaten sollten sich an der Untersuchung der Stoffe auf Gesundheitsgefährdungen beteiligen, sagte Renate Künast gestern in Berlin. Nach einer solchen Untersuchung soll über ein Verbot bestimmter Stoffe entschieden werden.

Die FDP kritisierte die Liste. "Frau Künast sollte die Stoffe erst prüfen und dann veröffentlichen", sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der FDP, Gudrun Kopp, gestern in der "Berliner Zeitung".

Weitere Infos: www.verbraucherministerium.de

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