Ärzte Zeitung, 01.08.2005

Endlich trocken - Neues Konzept für Alkoholiker

Ambulante Abstinenztherapie in Hamburg / Intensive Betreuung im ersten Jahr / Stabilisierung im zweiten Jahr

HAMBURG (nie). Ein neues ambulantes Programm zur Langzeittherapie von Alkoholkranken ist in Hamburg gestartet. Mit dem Konzept ALITA® (Ambulante Langzeit-Intensiv-Therapie für Alkoholkranke) sollen auch Betriebe angesprochen werden, die Fehlzeiten und reduzierte Arbeitsleistung chronisch alkoholkranker Mitarbeitern nicht mehr mittragen und Betroffenen bei der Bekämpfung ihrer Sucht unterstützen wollen.

Alkoholkranke leisten oft nicht genug. Betriebe können Betroffene beim Trockenwerden unterstützen. Foto: PhotoDisc

ProVivere, Tochtergesellschaft der Hamburger Landesbetriebskrankenhäuser, will die ambulante Therapie zunächst für 30 Alkoholkranke in Hamburg anbieten. Die Therapie besteht aus vier Phasen.

In der ersten, drei Monate dauernden Intensivphase müssen die Teilnehmer täglich die Ambulanz aufsuchen, eine Urinprobe abgeben und unter Aufsicht zur Alkoholentwöhnung Disulfiram (Antabus®) einnehmen. Der Wirkstoff verursacht eine Alkoholunverträglichkeit. Wer trotzdem Alkohol trinkt, bekommt zum Beispiel Hautrötungen, Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Alkoholkranke etwa mit KHK sind von der Therapie ausgeschlossen.

In der zweiten, drei bis vier Monate andauernden Stabilisierungsphase kommen die Teilnehmer drei bis vier Mal pro Woche in die Ambulanz zu Einzelgesprächen, die etwa 15 Minuten dauern.

Die dritte Phase ist die Ablösungsphase und beginnt nach einem halben Jahr. Dann kommen die Patienten nur noch zweimal pro Woche in die Ambulanz. Die Einzelgespräche dauern jetzt eine halbe Stunde.

Die vierte Phase dient der Stabilisierung. Sie beginnt ein Jahr nach Beginn der Therapie. Die Patienten müssen das Medikament nicht mehr einnehmen, sind aber verpflichtet, einmal pro Woche an einer 90minütigen Gruppentherapie teilzunehmen. Sollte ein Teilnehmer während der zwei Therapiejahre einen Termin in der Ambulanz nicht wahrnehmen, wird er sofort kontaktiert und notfalls persönlich aufgesucht.

Geplant ist, daß Arbeitgeber die Kosten von 18 000 Euro pro Patient übernehmen. Gezahlt wird in Teilbeträgen. Im Gegenzug sollen die Alkoholkranken nach einer zweiwöchigen stationären Entgiftung die Behandlung parallel zu ihrer Arbeit absolvieren.

Die Intensivtherapie wurde am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen unter der Leitung von Professor Hannelore Ehrenreich entwickelt. Sie betreut jetzt auch die Umsetzung des Konzeptes in Hamburg.

Übrigens: Die Hälfte der Teilnehmer einer ersten Studie mit dem neuen Langzeit-Intensivkonzept waren nach sieben Jahren noch abstinent.

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