Ärzte Zeitung, 01.12.2005

Hilfe für abstinenzwillige Raucher

Erste Daten zur Effizienz der Raucherentwöhnung mit dem neuen Wirkstoff Vareniclin

DALLAS (ob). Trotz guten Willens scheitern viele Raucher bei dem Versuch, auf den Glimmstengel dauerhaft zu verzichten. Ein neuer Wirkstoff könnte ihnen bald dabei helfen, daß aus dem Wunsch, der Nikotinsucht zu entsagen, häufiger als bisher Wirklichkeit wird.

Diese Hoffnung wird durch Ergebnisse neuer Studien genährt, in denen der Nutzen von Vareniclin bei der Raucherentwöhnung geprüft worden ist. Dieser neuartige, noch nicht zugelassene Wirkstoff ist ein partieller Rezeptoragonist, der an Nikotin-Acetylcholin-Rezeptoren im Gehirn andockt und so die Bindung von Nikotin verhindert.

Die Wirkung ist eine doppelte: Als Agonist vermindert Vareniclin die typischen Entzugserscheinungen bei Entwöhnung; als Antagonist schwächt die Substanz die als angenehm empfundenen Nikotin-Effekte (Belohnungseffekte).

    Neue Substanz mit dualer Wirkung am Nikotin-Acetylcholin-Rezeptor
   

Ergebnisse des vom Unternehmen Pfizer initiierten Forschungsprogramms mit Vareniclin hat Dr. Serena Tonstad aus Oslo jüngst beim Kongreß der American Heart Association (AHA) in Dallas vorgestellt.

In zwei Studien mit identischem Studiendesign ist Vareniclin (1 mg zweimal täglich) bei jeweils mehr als 1000 zur Entwöhnung motivierten Langzeit-Rauchern mit Bupropion und Placebo verglichen worden. Bupropion ist als erstes Medikament, das kein Nikotin enthält, auch in Deutschland für die Raucherentwöhnung zugelassen.

Primäres Wirksamkeitskriterium war der - per Kohlenmonoxid-Messung regelmäßig überprüfte - absolute Verzicht aufs Rauchen in den letzten vier Wochen eines insgesamt zwölfwöchigen Behandlungszyklus. Daran schloß sich eine 40wöchige Beobachtungsperiode ohne Behandlung an.

Von den mit Vareniclin behandelten Rauchern gelang es in beiden Studien jeweils 44 Prozent, die entscheidenden vier Wochen ohne Griff zur Zigarette zu überstehen. Bei Behandlung mit Bupropion lag der Anteil der Teilnehmer, die in dieser Phase nicht rückfällig wurden, bei jeweils 30 Prozent. Mit Placebo waren dagegen nur knapp 18 Prozent bei der Abkehr von ihrer Nikotinsucht erfolgreich.

Sekundärer Endpunkt war der nach 52 Wochen ermittelte Anteil an dauerhaft abstinenten Rauchern. Die entsprechenden Raten betrugen in den beiden Studien für Vareniclin 22,1 und 23 Prozent, für Bupropion 16,4 und 15 Prozent sowie für Placebo 8,4 und 10 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »