Ärzte Zeitung, 09.01.2006

BfArM untersagt für Raucher hohe Beta-Carotin-Dosis

BONN (dpa). Vitamintabletten und ähnliche Präparate mit hohem Beta-Carotin-Anteil erhöhen offenbar das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern. Raucher dürfen diese Mittel daher nicht mehr einnehmen. Das verfügte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn.

Die Anordnung gilt ab dem 1. Mai 2006 für Beta-Carotin-Dosen von mehr als 20 mg täglich. Niedriger dosierte Mittel erhalten einen Warnhinweis. Arzneimittel, die Beta-Carotin in geringen Mengen als Farbstoff enthalten, sind nicht betroffen. Beta- Carotin ist eine Vitamin A-Vorstufe.

Klinische Prüfungen hatten ergeben, daß Raucher, die Beta-Carotin in höheren Dosen einnahmen, signifikant häufiger an Lungenkrebs erkrankten als Probanden, die ein Scheinmedikament einnahmen. Auch die Sterblichkeit war in der Gruppe der Beta-Carotin-Anwender erhöht. Nachuntersuchungen belegten, daß auch sechs Jahre nach Ende einer der Studien das Lungenkrebsrisiko in der Beta-Carotin-Gruppe erhöht war.

In den Studien waren Raucher untersucht worden, die entweder mindestens fünf Zigaretten täglich oder schon lange rauchten. Die Tagesdosis Beta-Carotin betrug mindestens 20 mg. Eine ähnliche Risikoerhöhung ist für Arzneimittel mit geringerem Beta-Carotin-Gehalt nicht belegt.

Die Einnahme von Beta-Carotin zusätzlich zur Nahrung war in den 90er Jahren als sogenanntes Rauchervitamin zum Schutz gegen Lungenkrebs bei Rauchern propagiert worden.

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