Ärzte Zeitung, 05.05.2006

PRESSESTIMMEN

In dieser Woche wurde in Berlin der Drogenbericht 2005 vorgestellt. Fazit: Die Zahl der Drogentoten sinkt, aber immer mehr Menschen sind süchtig nach Nikotin, Alkohol oder Tabletten.

"Kiffen ist nicht harmlos"

Nach Meinung der "Berliner Morgenpost" werden Jugendliche noch zu wenig über die Gefahren des Cannabiskonsums aufgeklärt.

Im Zuge des geplanten Präventionsgesetzes haben Bund und Länder die Chance, sich auf Gesundheitsziele zu verständigen - wozu auch der verantwortungsvolle Umgang mit Tabak und Alkohol gehört. Dabei gilt es vor allem, Jugendliche durch entsprechende Präventionsmaßnahmen vor dem Konsum legaler und illegaler Suchtmittel zu schützen. Auf einen neuen besorgniserregenden Trend ist die Drogenpolitik jedoch bislang kaum vorbereitet: Immer mehr Jugendliche kiffen. Das ist zwar illegal, doch trotz des hohen gesundheitlichen Risikos gilt Cannabis fälschlicherweise als harmlose "weiche" Droge.

"Unterlassene Hilfeleistung"

Kein Verständnis hat der "Kölner Stadt-Anzeiger" dafür, daß sich die Union gegen eine Heroinabgabe auf Rezept sperrt.

Drogen sind in unserer Gesellschaft zum selbstverständlichen Bestandteil des Alltags geworden. Dies ist im Grunde ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, die offenbar nüchtern oder ohne Hilfsmittel nicht zu ertragen ist. Hinzu kommt eine Lobby, die hier zu Lande stärker als in anderen Ländern die Politik davon abgehalten hat, rigider etwa gegen Tabak- und Alkoholkonsum vorzugehen. Stattdessen werden drogenpolitische Gefechte nun (wieder) auf Nebenkriegsschauplätzen ausgetragen: Die Debatte um die Heroinabgabe an Schwerstabhängige ist grotesk: Trotz eines erfolgreichen Modellprojekts verweigert die Union eine notwendige Gesetzesänderung, um Heroin auf Rezept an diese Patienten abzugeben. Das könnte man unterlassene Hilfeleistung nennen.

"Kranke werden zu Kriminellen"

Auch die "Oldenburgische Volkszeitung" plädiert für eine Heroinabgabe auf Rezept.

Der Handel mit Drogen beschert dem organisierten Verbrechen Einnahmen in Milliardenhöhe. Die Union lehnt einen Plan der Bundesdrogenbeauftragten ab, Heroin auf Rezept an Schwerstabhängige abzugeben. Süchtige, also Kranke, werden so dazu verdammt, sich ihr Geld für Heroin durch Einbrüche oder Raubüberfälle zu beschaffen. Ein unhaltbarer Zustand, der lediglich einem nutzt: Dem Dealer. Wenn Kranke zu Kriminellen werden und unbescholtene Bürger zu ihren Opfern, dann läuft etwas falsch bei der Suchtbekämpfung.

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