Ärzte Zeitung, 31.05.2006

HINTERGRUND

"Tabak: Tödlich in jeder Form" - das Motto des Weltnichtrauchertages

Von Maria Panagiotidou

Fast jeder Raucher hat es sich schon vorgenommen, viele haben es ernsthaft versucht: Den Glimmstengeln ein für alle Mal zu entsagen, endgültig aufzuhören mit regelmäßigen Gängen zum Zigarettenautomaten - auch nachts, wenn die Sucht ruft und die Schachtel leer ist. Doch es ist alles andere als einfach, dem Laster des Rauchens abzuschwören - und bei dem Entschluß zu bleiben.

Hinterlassenschaft von Rauchern. Weltweit rauchen derzeit 1,3 Milliarden Menschen, schätzt die WHO. Foto: dpa

Der Weltnichtrauchertag heute steht unter dem Motto "Tabak: Tödlich in jeder Form". Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rauchen zur Zeit 1,3 Milliarden Menschen weltweit. Fünf Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums. 2020 könnten es fast zehn Millionen sein, prognostiziert die WHO.

20 Millionen Raucher in Deutschland

In Deutschland gibt es nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln etwa 20 Millionen Raucher, davon sind 12 Millionen Männer. 140 000 Menschen sterben nach BZgA-Angaben hierzulande jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Das seien bis zu 400 Tote jeden Tag - mehr als durch Verkehrsunfälle, Aids, Alkohol, illegale Drogen und Selbstmorde zusammen.

Allerdings ist die Zahl der jugendlichen Qualmer der BZgA zufolge in den vergangenen Jahren leicht gesunken. 2001 rauchten noch 28 Prozent der 12- bis 17jährigen regelmäßig, das war mehr als jeder vierte. 2005 griffen nur noch 20 Prozent zum Tabakröllchen. Dabei sei der Anteil der "Nie-Raucher", also derjenigen Jugendlichen, die in ihrem Leben noch überhaupt keine Zigarette geraucht haben, in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. 2001 gab es 36 Prozent "Nie-Raucher" unter den 12- bis 19jährigen, 2005 waren es 45 Prozent.

Raucher haben viermal höheres Krebsrisiko als Nichtraucher

"Jeder Tag ohne Zigarette ist bereits ein riesiger Gewinn", sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. "Denn Rauchen macht einfach krank." Nach Angaben der BZgA haben Raucher ein doppelt so hohes Krebsrisiko wie Nichtraucher, starke Raucher sogar ein vier Mal so hohes. Hinzu kommen oft Bronchitis, Herzinfarkte oder Atherosklerose.

Schon der Schriftsteller Oscar Wilde (1854 bis 1900) bemerkte mit beißendem Spott: "Die Zigarette ist das vollendete Urbild des Genusses: Sie ist köstlich und läßt uns unbefriedigt."

Denn das in Glimmstengeln enthaltene Nikotin hat schon nach der ersten Zigarette ein hohes langfristiges Suchtpotential. Die Substanz wirkt schnell: Bereits nach sieben Sekunden erreicht sie das Gehirn und löst über Hormonketten Glücksgefühle und Wohlbehagen aus. Mehr als 4800 Stoffe werden mit dem Tabakrauch eingeatmet, viele von ihnen sind giftig oder krebserregend.

Wer täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, dessen Lunge nimmt nach BZgA-Angaben in einem Jahr etwa eine Tasse Teer auf. Das zähflüssige braune Kohlenwasserstoffgemisch entsteht beim Abbrennen der Zigarette und verklebt die Zilien in den Atemwegen und der Lunge.

Zigaretten werden durch Zusatzstoffe wie Menthol, Kakao oder Lakritz nach Angaben von Pötschke-Langer noch gefährlicher und verleiten vor allem Kinder und Jugendliche zum Rauchen. "Durch die Substanzen bekommen Zigaretten einen guten Geschmack", sagte die Leiterin des deutschen Tabakkontrollzentrums der WHO.

In den 50er und 60er Jahren hätten Raucher oft über ein Kratzen im Hals geklagt und den schlechten Geschmack von Zigaretten kritisiert. Darauf habe die Tabakindustrie reagiert. Durch die Zusatzstoffe in heutigen Zigaretten sei Rauchen angenehmer und schmecke besser, aber die Substanzen machten die Glimmstengel noch gefährlicher. "Der Rauch von Zigaretten, die Menthol beinhalten, läßt sich tiefer einatmen und wirkt dem Raucherhusten entgegen."

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, der braucht vor allem eine Strategie. "Man sollte einen Tag X bestimmen und dabei bleiben", rät Pötschke-Langer. Entscheidend sei vor allem der feste Wille. Wichtig sei es, feste Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu durchbrechen.

"Wer zur Zigarette immer Kaffee trinkt, sollte auf Tee umsteigen. Wer auf dem Sofa sitzt und qualmt, sollte sich auf den Sessel setzen und Kaugummi kauen - das trickst die Psyche am einfachsten aus." Ein Rauch-Stop lohnt sich in jedem Fall: Nach BZgA-Angaben gewinnt ein Raucher, der mit 30 Jahren den Zigaretten entsagt, im Schnitt etwa zehn Lebensjahre hinzu. (dpa)

Infos zum Weltnichtrauchertag unter: www.weltnichtrauchertag.de Infos der BZgA: www.rauchfrei-info.de, Beratung gibt es hier unter der Telefonnummer: 018 05 / 31 31 31 (12 Cent/Minute) Das DKFZ bietet Infos zum Rauchen auf der Website: www.tabakkontrolle.de, Beratung gibt es unter der Telefonnummer: 062 21 / 42 42 00

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