Ärzte Zeitung, 19.12.2006

KOMMENTAR

Gewinn in zweierlei Hinsicht

Von Anno Fricke

Die FDP-Abgeordneten haben Recht, wenn sie das Thema kontrollierte Heroinabgabe auf der politischen Tagesordnung halten. Ihre Initiative muß ja gar nicht sofort in ein Gesetz münden, das Heroin in den Rang eines Medikaments erhebt. Eine Verlängerung des Heroinprojektes über 2007 hinaus wäre an sich schon ein Gewinn.

Ein Gewinn in zweierlei Hinsicht: Ärzte sind sich einig, daß viele Drogenabhängige mit der kontrollierten Heroinabgabe eine bessere Prognose haben, irgendwann ein suchtfreies Leben zu führen. Was das an Gewinn für die Gesellschaft bedeutet, darüber kann nur spekuliert werden. Tatsache ist, daß die deutschen Steuerzahler mehr für die Strafverfolgung Süchtiger ausgeben als für deren Therapie. Aber nur die holt die Abhängigen aus dem Teufelskreis von Beschaffungskriminalität, Prostitution und Drogenkonsum.

Es paßt ins Bild dieser wankelmütig agierenden Regierungskoalition, daß sie sich einerseits medienwirksam um die Belange von HIV-Infizierten kümmert, andererseits aber davor zurückschreckt, eine mögliche Infektionsgefahr für HIV zu bekämpfen.

Fakt ist: Solange nicht alle Kriterien ausgewertet sind - ordnungspolitische wie ökonomische - , wird die Diskussion über den Fortbestand des Modellprojekts weitergehen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Substitution mit Heroin - Kostenfaktor mit positiven Nebenwirkungen für die Gesellschaft

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