Ärzte Zeitung, 20.02.2007

KOMMENTAR

Heroin als Arznei - das ist sinnvoll!

Von Pete Smith

Im Streit um die kontrollierte Abgabe von Diamorphin an Schwerstabhängige deutet sich ein fauler Kompromiss an: Unionsfraktionschef Volker Kauder hat sich dafür ausgesprochen, zumindest jene 330 Patienten, die derzeit noch Diamorphin erhalten, auf diese Weise weiter zu behandeln. Er wolle nicht verantworten, so Kauder, dass einer dieser Patienten womöglich stirbt, sollte das Programm nicht fortgeführt werden. Gleichzeitig dürften jedoch keine weiteren Patienten in neue Heroin-Projekte aufgenommen werden.

Kauders Eiertanz offenbart die zynisch anmutende Doppelmoral, in der seine Partei in puncto Drogensubstitution verhaftet ist. Im konkreten Fall will man nicht den Tod eines Menschen riskieren, aber was ist mit künftigen Patienten?

Die Union hat Angst, Heroin salonfähig zu machen. Das ist Unsinn, denn es geht allein darum, schwer kranken Patienten, die auf andere Medikamente nicht ansprechen, eine Alternative zu bieten. Ebenso wenig greift das Argument des CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn, Diamorphin sei dreimal so teuer wie Methadon. Das mag für die Anschaffung gelten, berücksichtigt aber nicht die möglichen Folgekosten eines Klinik- oder Gefängnisaufenthalts.

Die Vorzüge der Heroin- im Vergleich zur Methadonbehandlung bei Schwerstabhängigen sind wissenschaftlich erwiesen. Daher sollte die Heroinvergabe in die Regelversorgung dieser schwer kranken Patienten - nur um sie geht es - aufgenommen werden.

Lesen Sie dazu auch:
"Dann geht der Teufelskreis von vorne los!"

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